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30. September 2019

Reinhard Körner: Gott, ihr Drei ... – und wie wir Menschen zusammengehören

Religiöses Buch des Monats Oktober 2019

Eigentlich müsste jeder Christ eine gute Beziehung zur Dreifaltigkeit haben. Immerhin beginnen wir jedes Gebet, jeden Gottesdienst „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Doch dürfte den meisten Christen die Lehre vom einen Gott in drei Personen zwar bekannt sein, gleichzeitig erscheint sie aber zu abstrakt, als dass sie etwas mit dem religiösen Alltag zu tun haben könnte. Als Anrede im Gebet - „Gott, Ihr drei! Du, Vater – du Jesus – und du, Heiliger Geist ...“ – ist sie schon gar nicht üblich und klingt fremd.

Reinhard Körner, Karmelit und bekannter geistlicher Schriftsteller, bedauert das sehr – und wirbt in diesem Buch dafür, die Dreifaltigkeit ins persönliche religiöse Leben einzubeziehen. In Form eines Zwiegesprächs mit dem dreieinigen Gott und den Leser*innen berichtet er, wie er selbst die Dreifaltigkeit für sein Gebetsleben entdeckt hat.

Das hat vor allem mit einer Ikone aus dem 15. Jh. zu tun, die in der Einbandklappe farbig abgedruckt ist. Der orthodoxe Mönch Andrej Rubljow hat darauf die drei Männer gemalt, die Abraham die Nachricht brachten, dass Sara doch noch ein Kind bekommen würde. Die drei sitzen um einen Tisch herum und wirken einander zugewandt – und zugleich laden sie den Betrachter ein, sich zu ihnen zu setzen. Ein Bild für die göttliche Gastfreundschaft, so jedenfalls empfindet es Körner. Durch diese Ikone begriff er, was es bedeutet, wenn von Gott als Gemeinschaft die Rede ist – und dass der Mensch – jeder Mensch! – dazugehört. „Wenn ihr Gemeinschaft seid, dann sind auch wir Gemeinschaft“, schreibt er an die Dreifaltigkeit und an die Leser*innen gewandt. „Wenn ihr drei seid, dann bin auch ich einer von ‚dreien‘.“ Der Mensch steht – auch im Gebet – eben nie alleine vor dem dreieinen Gott, sondern ebenfalls in Gemeinschaft mit denen, die ihm nahestehen oder anvertraut sind.

Für Körner bedeutet die Einbeziehung der Dreifaltigkeit ins persönliche Gebetsleben eine Erweiterung des eigenen spirituellen Horizonts. Nach wie vor bete er am häufigsten zu Jesus, schreibt er, weil Gott in ihm ein „Gesicht“ bekommen habe. Ohne ihn könne niemand zu der Erkenntnis gelangen, dass Gott ein „Vater“ ist, „ein Gott absoluter Barmherzigkeit und Liebe“. Möglichst viele Menschen mit diesem Gott bekannt zu machen, sei daher die wichtigste Aufgabe der Christen. „Nicht um sie zu Kirchenmitgliedern machen zu wollen, sondern um ihnen Schwestern und Brüder auf dem Weg zu sein, den dein Abba [Vater] mit ihnen geht.“

Damit auch Menschen, die theologisch nicht so bewandert sind, das dazu notwendige Hintergrundwissen erhalten, erklärt er in einfachen, knappen Worten, wie das Bekenntnis zum dreieinen Gott in der frühen Christenheit entstanden ist und wie es in der Bibel begründet ist.

Nach der Lektüre dieses schmalen, äußerlich eher unscheinbaren Buches ist die Dreifaltigkeit kein abstrakter theologischer Lehrsatz mehr. Vielmehr stellt sich das Gefühl ein, Gott dadurch etwas besser kennengelernt zu haben. Eine Bereicherung für das eigene Gebetsleben ist es noch dazu.

Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der St. Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.

 
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