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28. April 2019

Wir reisen ein Leben lang

Regard Protestant von Arie van den Dries

In der Bibel, diesem großem Buch voller Geschichten, in denen Menschen die Richtung ihres Lebens in Worte gefasst haben, ist oft von Reisen und Aufbruch die Rede. Dabei kann man an Abraham denken, aber auch an das Volk Israel, als dessen Stammvater er gilt.

Menschen sind auf dem Weg zu ihrer Bestimmung, in ein gelobtes Land, in ein Leben, das Harmonie und Gerechtigkeit verspricht.

Unter den Reisenden sind auch die Propheten, und vor allem Elias, sozusagen ein Prototyp des Propheten. Nicht umsonst wird er im Evangelium „der Prophet“ genannt, wenn er und Moses sich auf dem Berg Tabor mit Jesus unterhalten.

Er ist ein Mann, der sich mit seiner Lebensreise und seiner Berufung schwer tut. Er ist in seiner Mission zutiefst enttäuscht. Er erfährt Widerstand, und seine Worte bleiben ungehört. Trotzdem versucht er leidenschaftlich, das „Wort Gottes“, wie es aus den Büchern der Thora zu ihm gelangte, weiterzugeben.

Elias hat es eilig, denn dieses Wort soll wie ein Lauffeuer von Mensch zu Mensch überspringen und alle durchdringen. Er will sein ganzes Dasein dieser Berufung unterordnen. Die Liebe geht ihm voraus, und Zweifel verfolgen ihn. Diese beiden Gefühle streiten sich in seinem Herzen.

Mystiker kennen diese Erfahrung und umschreiben sie als die Nacht: die totale Verlorenheit, das Gefühl der Verlassenheit, weil die Stimme versagt und das ganze Engagement für die Menschheit zerbrochen ist. Trotz allem entflammt für Elias in der Nacht der Verzweiflung ein Licht. Er fühlt sich erneut wahrgenommen und geliebt, das stärkt ihn wie eine Mahlzeit, gibt ihm neue Kraft und erweckt ihn aus seiner Todesstarre.

Nein, sein Weg ist noch nicht zu Ende, er geht weiter, im Bewusstsein dieser Wiedergeburt. Nicht länger sind sein Weg und seine Berufung von Einsamkeit geprägt. Der Zweifel, der ihn vorher verfolgte, ist verflogen.

Den Namen des Reisegesellen kann man nur als „Jemanden, der für dich da ist“ umschreiben; es ist der Name des Ewigen, der seinen Namen verwirklicht, der sein Versprechen einhält: Ich bin da, ich werde für dich da sein.

Diesen Namen, diese bewusste Wahrnehmung der Anwesenheit eines Gegenübers, eines Freundes, eines Reisegesellen, können wir alle auf unserer Lebensreise erfahren.

Der Autor ist Pfarrer der Niederländischen Protestantischen Gemeinschaft
 in Luxemburg.

Quelle: Luxemburger Wort

 
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