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28. Dezember 2019

Zuflucht finden

Kommentar zum Sonntag von Claude Bache – Fest der Heiligen Familie (29.12.2019)

„Junge Familie mit neugeborenem Kind auf der Flucht!“ – eine Schlagzeile, die heute vielfach veröffentlicht werden könnte, wenn die Medien den Blick auf die entsprechenden Lebenswirklichkeiten richten würden. Eine Schlagzeile, die auch auf die Situation von Maria und Josef zutrifft, die sich mit dem neugeborenen Jesus auf den Weg machten, um der Nachstellung des Königs Herodes zu entfliehen. Ägypten, schon mehrfach in der Geschichte für Israeliten ein Zufluchtsort in mancherlei Not und Gefahr, ist nun auch für die Heilige Familie der Ort der Zuflucht. Gott schützt und führt seinen Sohn – diesen tieferen Sinn verdeutlicht uns das Evangelium dieses Sonntags. Gott bewahrt den Sohn, der als kleines, auf Hilfe angewiesenes Menschenkind zur Welt gekommen ist, mitsamt seinen Eltern, weil er ja Großes mit diesem kleinen Kind vorhat. „Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird“ (Joh 3,17). – Der, der die Welt retten soll, muss am Anfang seines Lebens zunächst selber gerettet werden.

Doch die Sorge Gottes gilt nicht nur seinem eingeborenen Sohn, sie gilt in Jesus jedem Menschenkind. Gott braucht heute unsere Hände und Füße, unsere Ideen und unseren Einsatz, um seiner Sorge um jedes bedrohte Menschenkind Ausdruck zu geben.

Junge Familien auf der Flucht vor Gewalt und vielfältiger Bedrohung: Bilder aus Krisengebieten kommen uns in Erinnerung. Haben sie auch einen Engel, der ihnen den Weg weist, wie sie sich in Sicherheit bringen können? Gibt es die Unterstützung der Völkergemeinschaft, damit bedrohtes neues Leben gerettet wird? Meldet sich unsere Kirche genügend mit lauter Stimme zu Wort für die Familien auf der Flucht, die keine Stimme haben?

Und wie sieht es hier bei uns aus? Familien sind hier nicht so sehr durch Gewalt bedroht, doch es gibt andere Formen der Not: Armut, schwere Krankheit, Abhängigkeit, Trennung. Sind wir sensibel dafür, diese Bedrohungen zu erkennen, oder klammern wir uns an ein Bild der heilen Familie, das sich allzu oft nicht mit der Lebensrealität verträgt? Ja, in vielen Sonntagsreden von Politikern oder Predigten von Kirchenvertretern wird die Familie als hohes Gut, als Keimzelle der Gesellschaft, als Kirche im Kleinen dargestellt. Tatsächlich, das ist sie auch, doch der so wertvolle Zusammenhalt der Familien ist vielfach gefährdet. Was können Entscheidungsträger tun, um Familien zu schützen und zu stärken? Was können wir in der Nachbarschaft tun, damit Familien mit ihren Sorgen und Nöten nicht alleine bleiben?

Das Fest der Heiligen Familie, das an diesem Sonntag begangen wird, richtet fernab von jeder romantischen Verklärung einen leidenschaftlichen Appell an uns: So wie damals Maria und Josef für ihr Kind Rettung erhofften, so hoffen auch heute zahllose junge Familien an den Brennpunkten dieser Welt – und manchmal ganz versteckt in unserer Nähe – auf Hilfe und Unterstützung, wo sie alleine keinen Ausweg sehen.

Wie gut, wenn Christen, die in der Nachfolge des damals neugeborenen Retters der Welt stehen, wenigstens hier und da Lichtblicke in Richtung auf Rettung aus Notlagen ermöglichen. Manchmal ist es leichter als gedacht, für andere zum Engel zu werden.

Quelle: Luxemburger Wort

Claude BACHE
 
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