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Bicher-Rezensioune . Recensions de livres  
29. Dezember 2019

Friedrich Kardinal Wetter: Hört und versteht! Meditationen über den Glauben.

Religiöses Buch des Monats Januar 2020

Nicht selten geht es uns wie dem Kämmerer der äthiopischen Königin Kandake, von dem in der Apostelgeschichte erzählt wird: Wir lesen oder hören durchaus mit Interesse die biblischen Texte, verstehen aber nicht immer alles, was dort gesagt ist. Friedrich Kardinal Wetter, der frühere Münchner Erzbischof, ist überzeugt, dass wir den christlichen Glauben besser verstehen können, wenn wir uns immer wieder damit beschäftigen, was die Feste des Kirchenjahres eigentlich bedeuten. Sein neues Buch „Hört und versteht!“ vereint darum seine Predigten aus den letzten sieben Jahren zu den kirchlichen Hochfesten Weihnachten, Ostern, Pfingsten und weiteren Festtagen (Dreifaltigkeitssonntag, Mariä Himmelfahrt, Peter und Paul). Zum Ende seines jahrzehntelangen priesterlichen und bischöflichen Wirkens hin entstanden, sind es gleichsam zur Quintessenz verdichtete Betrachtungen, die eine ungeheuer intensive Beschäftigung mit den Glaubensgeheimnissen durchscheinen lassen.

Durch ein sehr genaues Hinschauen auf die Texte der Heiligen Schrift ergeben sich immer wieder überraschende Einsichten und neue Akzentuierungen, z.B. wenn Kardinal Wetter darauf hinweist, dass Jesus die Emmaus-Jünger, nachdem sie ihn am Brotbrechen erkannt haben, keineswegs wieder verlässt – sie sehen ihn zwar nicht mehr, er war aber schließlich mit ihnen hineingegangen, gerade „um bei ihnen zu bleiben“, und er bleibt tatsächlich bei ihnen: im gebrochenen Brot. Oder wenn Kardinal Wetter erläutert, weshalb im Markus-Evangelium gesagt wird, dass in Jesu Todesstunde der Vorhang im Tempel zerreißt. Denn darin wird offenbar, dass durch Jesu Hingabe für uns der Blick auf Gott frei geworden ist, sich Gott als sich verströmende Liebe erwiesen hat. Erstaunlich auch, aber dann sehr schlüssig, dass Wetter im Gleichnis vom verlorenen Sohn auch ein Bild für den Gottessohn erkennt, der zwar nicht selbst gesündigt, aber alle Sünden der Welt auf sich genommen hat und mit dieser Sündenlast zum Vater heimkehrt, der ihn voll Freude aufnimmt in sein göttliches Leben.

Besonders eindrucksvoll ist schließlich auch die Predigt zum 50-jährigen Bischofsjubiläum. Wie wohl jeder Mensch am Abend seines Lebens fragt sich Kardinal Wetter, was er wohl durch seine Bemühungen erreichen konnte. Dass er diese Frage nicht beantworten kann, führt ihn umso weiter hin zum völligen Vertrauen auf Christus, ohne den auch Petrus nicht fähig war, die Netze zu füllen. Das Evangelium zeigt ja, dass die Netze derer, die sie auf Jesu Wort hin auswerfen, selbst dann überreich gefüllt sein können, wenn nach menschlichen Maßstäben ihre Arbeit aussichtlos erscheint. So dürfen auch wir die Beurteilung unserer Lebensleistung ebenso wie die Zukunft der Kirche bei all unseren Sorgen und Bemühungen am Ende doch vertrauensvoll in die Hände Christi legen.

Es ist wirklich beeindruckend, wie unprätentiös und bescheiden sich der Autor bzw. Prediger in diesen biblischen Betrachtungen selbst ganz zurücknimmt, um in möglichst klaren Wörtern und einfachen Sätzen umso mehr die Botschaft in ihrer großen Tiefe wirken zu lassen. So können diese Meditationen wirklich das erreichen, was im Vorwort als ihr Zweck angeführt ist, sie können „Freude am Glauben wecken und uns bewusst werden lassen, aus welcher Quelle wir leben, wie reich uns Gott beschenkt und wohin der Pilgerweg unseres Lebens führt.“ Man wird dieses sehr schön und hochwertig gestaltete, dabei aber erstaunlich preisgünstige Buch im Jahreslauf immer wieder gerne zur Hand nehmen und großen Gewinn für das eigene Glaubensleben daraus ziehen.

Sankt Michaelsbund


Friedrich Kardinal Wetter: Hört und versteht! Meditationen über den Glauben. Sankt Ottilien : EOS Verlag, 2019. – 207 S.; 14,95 €

Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.

 
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