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15. Oktober 2021

Aus dem Glauben heraus in die Welt hinein

Zum 10. Jahrestag der Bischofsweihe von Kardinal Jean-Claude Hollerich


Wenn an diesem Sonntag die diözesane Phase des synodalen Prozesses mit einem feierlichen Pontifikalamt in der Kathedrale eingeleitet wird, dann ist Erzbischof Jean-Claude Hollerich seit zehn Jahren im Bischofsamt. Weltweit befassen sich die Diözesen in den kommenden Wochen und Monaten mit der Frage nach der Kirche von morgen (und diese Zukunft beginnt heute!) rund um die Schlüsselbegriffe „Gemeinschaft, Teilhabe, Sendung“.

Diese drei Schlagwörter spiegeln sich in jenen ersten Worten wider, die der neu geweihte Bischof zum Schluss seiner Einführung ins Amt am 16. Oktober 2011 sagte: „Mir mussen eis fir d’éischt selwer opmaache fir d’Wuert vum Herrgott an da kënne mir erausgoen, da kënne mir Temoignage gi vu Jesus Christus an der Welt, an net nëmmen duerch eist Schwätzen, ma duerch eist Liewen. Wéi mir eis asetze fir déi Schwaach, fir déi Krank, fir déi Leit, déi eleng sinn… dorunner gesäit een, datt mir Chrëschte sinn.“ Diese Worte haben nichts von ihrer Aktualität verloren.

Ohne zur Übertreibung zu neigen, kann man wohl behaupten, dass sich die Kirche in Luxemburg in diesen zehn Jahren seit jenem 16. Oktober vielleicht mehr verändert hat als jemals zuvor in einem vergleichbaren Zeitraum – aus innerer Kraft wie durch äußere Umstände bedingt. Die Gemeinschaft ist insgesamt betrachtet wesentlich kleiner geworden (seit dem Beginn der Corona-Krise hat sich die Tendenz noch verstärkt), zugleich aber auch internationaler – und kaum einer hatte dies mehr im Blick als der Jesuitenpater, der nach mehr als 20 Jahren aus dem fernen Japan - und seiner für viele hier zu Lande unbekannten, ja fremden Kultur, in der das Christentum, wenngleich präsent, eine sehr bescheidene Rolle spielt - zurück in seine Heimat gerufen wurde. Er hat regelmäßig wiederholt, dass Kirche eine Minorität geworden sei, sich den ausländischen Gemeinschaften noch stärker öffnen und den gesellschaftlichen Umbrüchen Rechnung tragen müsse. Seine Worte waren bewusst gewählt, nicht um anzuecken oder sich der Kritik einer zu negativen Sichtweise der Dinge auszusetzen, sondern um aus einer Bewusstseinsbildung und -förderung heraus, Kirche neu zu denken, jenseits des traditionellen Kulturkatholizismus, und mit der Lebenswirklichkeit der Menschen von heute zu konfrontieren. Nicht alle sind diesen Weg des Aufbruchs mitgegangen.

Erzbischof Hollerich setzt, wie vor ihm schon andere, auf die Jugend (z. B. Teilnahme an den Weltjugendtagen in Brasilien, Polen, Panama und 2023 in Portugal, Gründung des Jugendrates usw.), auf neue Gemeinschaften und geistliche Initiativen, um zumindest bei Teilen des Kirchenvolkes eine neue Dynamik anzustoßen. Außerdem hat er den Klerus weiter internationalisiert – mit seinen Chancen und Grenzen. Jean-Claude Hollerich geht auf die Menschen unterschiedlicher Religionen und Kulturkreise zu, ohne Berührungsängste, interessiert sich für sie und nimmt den enormen gesellschaftlichen Wandel, nicht zuletzt durch die Digitalisierung getrieben, wahr, an dessen Anfang wir erst stehen, wie er den Mitgliedern in den verschiedenen Gremien immer wieder in Erinnerung ruft. Selbst die sozialen Medien sind für ihn ein Ort der Begegnung und des Austauschs.

In diesen zehn Jahren hat er Akzente in der Seelsorge (z. B. in der Begräbnispastoral oder durch die Förderung des Amtes des ständigen Diakons) oder im Bildungsbereich gesetzt (durch die Schaffung der Luxembourg School of Religion & Society und des Centre de formation diocésain Jean XXIII), in der Folge von Papst Franziskus die Flüchtlingsfrage zu seinem Thema gemacht – ganz konkret durch das diözesane Projekt Reech eng Hand -, sich für die Euregio und darüber hinaus für Europa eingesetzt und unterstützt seit Jahren jene, die bei Klimaschutz und sozialer Gerechtigkeit voranschreiten. Kirchenintern hat er nicht zuletzt mit Hilfe seiner Generalvikare die Diözese und die Pfarreilandschaft neu geordnet, territorial wie personell und auch wirtschaftlich nachhaltig aufgestellt. Die Partizipation von Laien, Frauen und Vertretern von anderen Sprachengemeinden und religiösen Gemeinschaften wurde in den bischöflichen Gremien nachhaltig gestärkt.

Aber, es gab auch dieses eine große Thema, das die Kirche insgesamt wie ihn selbst schwer belastete, die Trennung von Staat und Kirche. Die Abschaffung des Religionsunterrichts und der alten Kirchenfabriken, das eingeläutete Ende des Statuts der Kultusdiener… es waren sehr schwere Jahre, die nachwirken und bei Manchem Frustration ausgelöst haben. Aber zugleich ist unter dem Impuls des Erzbischofs in der Folge der Trennung Neues entstanden, erwähnt seien hier die flächendeckende Pfarrkatechese oder der „Kierchefong“.

In den vergangenen Jahren ist die Welt des Jean-Claude Hollerich wieder ein Stück größer geworden (sie war es bereits vorher, besonders während seiner Zeit als Vizepräsident der Sophia University für internationale Beziehungen); dafür stehen die Ämter, die er auf europäischer und weltkirchlicher Ebene übernommen hat: die Präsidentschaft der Kommission der EU-Bischofskonferenzen (COMECE), die rezente Vizepräsidentschaft des Rates der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), die Mitgliedschaft im päpstlichen Kulturrat, im Rat für den interreligiösen Dialog und in der Kongregation für das Katholische Bildungswesen. Allen voran aber sei hier die Erhebung in den Kardinalsstand vor zwei Jahren erwähnt, Ausdruck des Vertrauens und der Hoffnung, die Papst Franziskus in unseren Erzbischof setzt, und ein historischer Augenblick für die Erzdiözese, die sich erst kurz zuvor über einen Weihbischof in der Person von Msgr. Leo Wagener freuen konnte. Als Mann der Mitte und offen für Neues (erwähnt sei hier als Beispiel die erstmalige Ernennung einer Frau zur Oktavpredigerin), kann er zwischen Positionen vermitteln und gilt als konsensfähig, vielleicht manchmal mehr visionär als in den bestehenden Strukturen verwurzelt; seine Vielsprachigkeit und seine klaren Worte werden auch von den Medien geschätzt.

So wie seine Ämter Kardinal Hollerich über Luxemburg hinaus (aber nicht aus Luxemburg heraus) geführt haben, so hat er mit verschiedenen Initiativen auch die Diözese über sich hinausgeführt. Erinnert seien hier zum Beispiel an die Pilgerreisen nach Thailand und Kambodscha, bei denen junge Luxemburger die Lokalkirche unterstützten, oder an seinen Einsatz für Flüchtlinge, die er nicht nur in seiner Diözese aufnahm, sondern unter seinem eigenen Dach.

Der Erzbischof ist aber zuerst ein Mann des Gebets, verwurzelt in der Spiritualität des hl. Ignatius. Von Papst Franziskus zum Generalrelator der anstehenden Bischofssynode ernannt, betont der Kardinal immer wieder, dass der gemeinsame Weg der Kirche zunächst ein Hören auf Gottes Wort ist. „Mir mussen eis fir d’éischt selwer opmaache fir d’Wuert vum Herrgott an da kënne mir erausgoen, da kënne mir Temoignage gi vu Jesus Christus an der Welt”. Für diese Mission wünschen wir Ihm von dieser Stelle aus Gottes reichen Segen, damit sein „Annuntiate“ ihn und unsere Ortskirche weiter trägt.


 
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