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Gebieder a Reflexiounen . Prières et réflexions  
18. März 2020

Was jetzt wichtig ist und was nicht

Zur Corona-Pandemie - ein Artikel von Pater Theo Klein SCJ

Franziskus pflegt und heilt einen Leprakranken. (Assisi, Fiorenzo Bacci, Bronzestatue, 2001, Foto: Christophe Hubert)

Die Corona-Pandemie bringt uns alle an den Rand der Kräften. Die schwindelerregende täglich steigende Zahl an Kranken und Todesopfern stellt die globalisierte Welt lokal und global vor Herausforderungen, die noch niemals in der Geschichte da gewesen sind. Die Globalisierung der Welt ist durch diesen Virus lahmgelegt. Was so ein kleiner Mikroorganismus alles ausrichten kann… Besorgnis und Ängste sind verständlich, denn sie weisen auf die reale Gefahr hin: Was wird aus unseren Kindern und Jugendlichen, wenn Schulen seit dieser Woche geschlossen sind? Diese knallharte Tatsache ist für Eltern und Familien eine riesige Herausforderung. Die Sorge um unsere Eltern und älteren Menschen ist mehr als berechtigt. Termine wie auch soziale Kontakte fallen aus, damit möglichst wenig Menschen sich anstecken. Auch wenn viele Menschen zum Schutz vor Ansteckung in Quarantäne sind, so dürfen wir – wie Weihbischof Ansgar Puff aus Köln treffend sagte - unseren Verstand nicht in Quarantäne schicken.

In solch einer Krise neigen viele Menschen zur Hysterie und Panik. Horrorszenen werden beschrieben und prognostiziert, die letztendlich viel gefährlicher sind als die Corona-Pandemie selbst. Ängste werden geschürt. Dadurch werden Menschen egoistisch, unberechenbar, grausam, rücksichtslos und gefährlich. Zur Corona-Pandemie brauchen wir zusätzlich nicht noch eine Hysterie und Panik. Gestern erlebte ich im Einkaufszentrum, wie Menschen mit ihren vollen Einkaufskörben hastig durch die Regale rasten und gar nicht genug mitnehmen konnten. Wenn ich diese Erfahrung mitteile, dann ist es nicht, dass ich mich darüber lustig mache. Es könnte auch sein, dass ich demnächst in den gleichen Modus verfalle… Die Gefahr, dass Panik auch mich betreffen kann, wäre möglich, allerdings nicht wünschenswert. Der Satz von ALBERT EINSTEIN kommt mir in den Sinn: „Wir sind EINE Menschheit! Wir leben auf EINEM Planeten!“ Sicherheit kann niemals einseitig zum Nachteil anderer erreicht werden.

Das Leben ist lahmgelegt. Die Straßen sind leer und viele leiden an einer inneren Leere, die ihnen sehr zu schaffen macht. Das Hamsterrad, in dem man sich vor der Pandemiezeit bewegte, fällt weg und lässt viele in eine Sinnkrise fallen: „Was soll das Ganze? Was ist der Sinn meines Lebens, wenn die Fragilität an der Pforte meines Lebens anklopft? Wo ist Gott? Wer trägt die Schuld?“

Eine Frau sagte, dass sie nicht mehr an Gott glauben könne, weil er uns in diese fürchterliche Pandemie geschickt hätte. So einem grausamen Gott dreht sie lieber den Rücken. Aber ist Gott wirklich der Ursprung der Katastrophe? Auch wenn die Botschaft der Kirche für viele altmodisch wirkt, so bin ich auf drei interessante Aussagen gestoßen, um darüber ernsthaft nachzudenken, dass Gott nicht der Ursprung der Katastrophe ist, die uns heute betrifft. Die Kirche hat prophetischen Weitblick! Besonders in Krisenzeiten ist es wichtig „ das Licht nicht unter den Scheffel zu stellen“ (Mt 5,14):

Bereits im März 1986 warnte die Römische Glaubenskongregation im Schreiben „Libertatis Conscientiae“, dass durch die Leugnung Gottes, die sichtbare Schöpfungsordnung, die soziale und wirtschaftliche Ordnung verändert wird – und mehr als das!

In seiner Enzyklika „Sollectuodo Rei Socialis“ prophezeite der damalige Papst Johannes Paul II., dass dem unreifen Menschen, der damit beschäftigt ist, nur in Wissenschaft und Technik zu investieren – aber nicht in Weisheit, die hochentwickelten Instrumente aus der Hand gleiten – und mehr als das!

Papst Benedikt XVI. erklärte und bestätigte in seiner Enzyklika „Caritas in Veritate“, dass der Mensch ohne Bezugswerte den von ihm geschaffenen Instrumenten erlaubt, moralische Autonomie zu erlangen und gegen ihn zu verwenden … und mehr als das!

So wichtig es auch ist, sich mit den Auswirkungen und der Bekämpfung des Virus zu beschäftigen, so dringend ist geboten, von der Verachtung und dem Missbrauch der Schöpfungsordnung Gottes und der Naturgesetze, die Finger in aller Hinsicht fernzuhalten. Der Psychologe Thorwald Dethlefesn und der Arzt Rüdiger Dahlke haben darauf hingewiesen, dass jede Krankheit eine spezifische Botschaft enthält, deren Be-Deutung zu erkennen wir herausgefordert sind [1]. Wenn nämlich keine Erkrankung des Menschen eine allein biomedizinische Erscheinung darstellt, sondern sich als ein ganz menschliches, geradezu „geistiges Phänomen“ erweist [2], dann liegt auch in dieser Krankheit eine besondere Botschaft, die es zu entziffern gilt. Der Ernstfall des kleinen Coronavirus lässt erkennen, dass es mit die Illusion der totalen Immunität vorbei ist. Die Pandemie fordert uns zur Solidarität und gegen jede Form von Diskriminierung heraus. Die biblische Botschaft am Anfang der Fastenzeit „Staub bist du und zu Staub wirst du wieder zurückkehren“ ist keine oberflächliche Floskel, sondern drückt den Ernst unserer Vergänglichkeit aus, wo Krankheit und und Tod in unser Spaßgesellschaft verdrängt und eliminiert werden. Unser postmoderner Fortschrittsglaube hat Risse bekommen.

Möge die Corona-Pandemie uns nicht in Panik und Hysterie versetzen. Sollten wir nicht eher diese Gelegenheit als traurige Chance zur Besinnung und Neuorientierung des Lebens verstehen! Was jetzt zählt ist wirksame menschliche Hilfe für die von Corona betroffenen Menschen! Oder in den Worten von Dietrich Bonhoeffer: „Beten, Tun des Gerechten und Warten auf Gottes Zeit“. Wir alle brauchen uns mehr als wir ahnen.

[1Th. Dethlefsen/ R. Dahlke, Krankheit als Weg. Deutung und Be-Deutung der Krankheitsbilder (München 1983).

[2F. Capra, Wendezeit, Bausteine für ein neues Weltbild (Bern 1983).

Théo KLEIN s.c.j.
 
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