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De Weibëschof . L’Évêque auxiliaire  
26. September 2019

Weihbischöfe in Luxemburg

Ein Beitrag von Georges Hellinghausen

Ist Leo Wagener der erste Weihbischof in Luxemburg? Mitnichten! Er ist der erste Weihbischof der eigenständigen Luxemburger Ortskirche, sprich der 1870 gegründeten Diözese und heutigen Erzdiözese. Doch wirkten vor ihm, vom Mittelalter bis zur Französischen Revolution, zahlreiche Weihbischöfe in Luxemburg.

Sie nahmen bei uns entsprechende Weihehandlungen im Namen der zuständigen Bischöfe vor: derjenigen von Trier und Lüttich vor allem, denn diese beiden teilten sich die geistliche Jurisdiktion über die Grafschaft bzw. das Herzogtum Luxemburg während der Feudalzeit und des Ancien Régime.

Die Diözesanbischöfe selbst zeigten sich kaum in Luxemburg, da sie als ausländische Fürsten – Fürsterzbischof von Trier, Fürstbischof von Lüttich – nur mit großem politischen Aufwand in einem für sie „fremden“ Land hätten erscheinen können und dort auch nicht unbedingt willkommen waren. Die Autorität des Trierer Erzbischofs war zudem überhöht durch den Umstand, dass er als einer der sieben Kurfürsten bei der Wahl des Kaisers für das Heilige Römische Reich deutscher Nation beteiligt war.

Prälaten in und aus Luxemburg

Über die rege Aktivität der Trierer Weihbischöfe in und aus Luxemburg berichtet Wolfgang Seibrich in seinem Standardwerk.

Dass geringe Anteile Luxemburgs damals noch zu weiteren Diözesen gehörten (Köln, Namür, Reims, Verdun und Metz), sei hier nur am Rande vermerkt. Einige ausländische Weihbischöfe quartierten sich sogar in Luxemburg ein und residierten dort, um näher an dem von ihnen liturgisch zu besorgenden Sprengel zu sein: Georg von Helfenstein etwa in der Stadt Luxemburg, Nikolaus von Hontheim in Monquintin, im heutigen Belgien. Andere stammten aus Luxemburg, dazu unten mehr. Fast gehörte die Präsenz eines Weihbischofs, der bischöfliche Handlungen vornahm ohne Jurisdiktion im Gebiet zu haben, zum katholischen Alltag im alten Luxemburg.

In Wolfgang Seibrichs Werk „Die Weihbischöfe des Bistums Trier“ (Veröffentlichungen des Bistumsarchivs Trier, Bd. 31, Paulinus Verlag Trier 1998) wird dies geschildert, was den trierisch verwalteten Teil der Luxemburger Kirche, d.h. zwei Drittel des Territoriums, näherhin das Gutland, betrifft. In der Tat standen viele der Trierer Weihbischöfe in Beziehung zu unserem Land und seiner Geschichte.

Neben ihrer hauptsächlichen Funktion als Vollzieher geistlicher Weihehandlungen (Konsekration von Altären, Kapellen und Kirchen, Weihen und Benediktionen, Firmungen) waren die Weihbischöfe oftmals bedeutende Träger der Weitergabe des Glaubens, die tatsächlich Handelnden auf religiös-pastoralem Plan und die eigentlichen geistlichen Hirten. Die regierenden Fürstbischöfe waren vornehmlich mit Reichsangelegenheiten, Fragen um ihr eigenes Territorium oder ihre adligen Familien beschäftigt.

Vom Mittelalter...

Zu den im 12. und 13. Jahrhundert im Trierischen als zeitweilige Hilfskräfte wirkenden Bischöfen aus ostdeutschen Diözesen gehörte ein gewisser Heinrich von Lützelburg, Bischof von Semgallen, Kurland und Chiemsee, möglicherweise ein Abkömmling des Luxemburger Grafenhauses; 1262 weihte er den Altar der neuen Klosterkirche in Bonneweg. Ähnlich konsekrierte 1311 Marquard von Jesow, Bischof von Ratzeburg, mehrere Altäre der Hospitalkirche samt Friedhof im Stadtgrund. Bedeutende Amtsträger der Trierer Kirche stammten aus Arlon, so der Karmelit und Weihbischof Nikolaus Lavesque (14. Jahrhundert), der das Klarissenkloster in Echternach weihte. Vom Abt von Altmünster Matthias von Echternach, 1365 zum Weihbischof bestellt, gibt es kaum Anhaltspunkte über sein bischöfliches Wirken. Die Abtei Echternach ihrerseits wurde 1436 durch Weihbischof Hubert von Yss neukonsekriert, er musste dabei in Tumulten zwischen Echternacher Bürgern und der Abtei schlichten. Aus einer Luxemburger Schöffenfamilie stammte Thilman von Eydel, zunächst Abt der hauptstädtischen Münsterabtei und dann eine der schillerndsten Figuren der Trierer Weihbischofsgeschichte, mitten in den Zerreißproben des Großen Schismas, d.h. der Zeit, wo es Papst und Antipapst gab mit entsprechender Spaltung der gesamten lateinischen Kirche (1378-1417).

Entstammten die Weihbischöfe des Mittelalters in der Regel den Ordensfamilien, so wurden sie in der Neuzeit, also nach 1500, im Bistumsklerus rekrutiert; im Ancien Régime übten sie meist zusätzlich – eine Trierer Eigenart – die Funktion des Generalvikars aus: so wie jetzt im modernen Luxemburg Weihbischof Leo Wagener! Die Trierer Geschichtsschreibung erlebt den in der Neuzeit wachwerdenden luxemburgischen Anspruch auf ein eigenes Bistum als zentrifugale Tendenz, welche die von den Weihbischöfen bei ihren Visitationen zu handhabende Aufsicht über Klerus und Volk behinderte. Diesem „Luxemburger Separatismus“ (Seibrich) begegnete man trierischerseits stets mit hartnäckigem Widerstand. Der selbstbewusste Provinzialrat im Herzogtum brachte in den folgenden Jahrhunderten wiederholt die Luxemburger Bistumsfrage aufs Tapet. Das führte zu nicht endenden Konfrontationen mit der Bischofsstadt Trier, in die vor allem die Weihbischöfe impliziert wurden, während der Kurfürst in Koblenz residierte. Ein Ausgleich in der Frage ward durch progressive Erweiterung des Plazet, d.h. der Interventions- und Bewilligungs-, sprich Kontrollrechte zugunsten des Luxemburger Provinzialrats erzielt, der sowieso nur dem Weih- und nicht dem Erzbischof Firm- und Visitationsreisen gestattete. Den amtierenden Bischof hielt man sich lieber vom Leibe.

Im Luxemburgischen wurden von Trierer Weihbischöfen konsekriert oder benediziert: 1402 eine Kapelle in Grevenmacher, von Konrad von Aldendorf; 1420 ein Altar in der Nikolauskirche am Neumarkt (wo heute das Abgeordnetenhaus steht), von Johannes von Berg; im späten 15. Jahrhundert die Kirche von Waldbredimus, von Hubert von Yss; 1484 der Friedhof bei der Michaelskirche in Luxemburg, von Johannes von Eindhoven.

... bis zur Französischen Revolution

Gleich zwei Trierer Weihbischöfe konsekrierten die Glacis-Kapelle zu Ehren der Consolatrix afflictorum: Georg von Helfenstein die Rotunde 1628 und Otto von Senheim den rechteckigen Anbau 1640.

Trierischen Interessen gemäß war Weihbischof Johannes von Eindhoven 1490 wider die rechtmäßige Wahl in der Münsterabtei in Luxemburg-Stadt als Schutzschild gegen die luxemburgisch-burgundische Macht vom Erzbischof als Abt durchgesetzt worden. Sein Nachfolger, Johannes von Helmont, wurde als Reformabt von Münster 1507 zum Weihbischof ernannt, gefolgt vom aus Ehnen an der Mosel gebürtigen reaktionären Johannes Enen, Schlusslicht des trierischen Mittelalters; dieser hatte sich als Verkünder des „Heiligen Trier“ und als Verfasser des Messformulars zum Fest des Heiligen Rockes hervorgetan. Gregor von Virneburg, von 1557 bis 1578 Weihbischof, war dagegen der vom Reformgeist des Trienter Konzils geprägte katholische Erneuerer, er visitierte u.a. die Dekanate Remich, Luxemburg und Mersch. 1560 weihte er die Heilig-Kreuz-Kapelle bei Echternach.

Peter Binsfeld (1580-98), Hexenverfolger, war bei den ersten Versuchen zur Gründung einer Luxemburger Jesuitenkommunität involviert. Sein Nachfolger Georg von Helfenstein firmte mehrfach in Luxemburg, er konsekrierte am 7. Oktober 1621 die Jesuitenkirche (heutige Kathedrale) und am 10. Mai 1628 die Muttergotteskapelle auf dem Glacis, die zum Ausgangspunkt für die Oktave wurde. Andere Weihen, die er vornahm: 1607 den Hochaltar in Contern, 1613 (oder 1626) den Liebfrauenaltar in Esch-Sauer, 1614 einen Altar im Franziskanerkloster („Knodler“) Luxemburg, 1624 den Hochaltar in der Abteikirche Echternach, als die Gebeine des hl. Willibrord aus einem Hochgrab unter den Altar bestattet wurden. Helfenstein begleitete den Aus- oder Neubau der Klöster im Herzogtum und setzte sich für Ordensreformen ein. In den Streitigkeiten zwischen Kurfürst und Luxemburg, das damals zu Spanien gehörte, war er nicht immer seinem Herrn ergeben. Schließlich setzte er sich nach Luxemburg ab, wo er 1632 starb. Er wurde in der Abtei Neumünster (heutige Kirche in Stadtgrund) beigesetzt, sein Grab ist nicht mehr identifizierbar.

Weihbischof Otto von Senheim (1633-62) förderte in Luxemburg den Kult der Trösterin der Betrübten und nahm mehrere Generalvisitationen vor, nicht zuletzt um durch Zuwendung das Ansinnen eines eigenen Luxemburger Bistums zu dämpfen. 1658 weihte er die Muttergotteskapelle in Echternach. Sein Nachfolger Johannes Holler stammte aus Echternach, er konsekrierte 1666 einen Altar in Dommeldingen und bestätigte 1668 die Wahl der Trösterin der Betrübten zur Schutzfrau der Stadt Luxemburg. Ihm folgte Johann Heinrich von Anethan, der 1679 an der ersten Huldigung an dieselbe als Patronin des Herzogtums Luxemburg teilnahm, was Auseinandersetzungen mit den Luxemburger Behörden zeitweilig in Klammern setzte. Er weihte mehrere Altäre im Luxemburgischen, ebenso die Kapelle des St. Johannhospitals im Stadtgrund. Er galt auch nach seiner Transferierung nach Köln als Luxemburg-Experte im Trierer Kurstaat.

Weihbischof Hontheim alias Febronius (1701-1790) residierte im luxemburgischen Montquintin bei Virton, wo er auch starb.

Weihbischof Johann Peter Verhorst (1687-1708) sowie sein Nachfolger Johann Matthias von Eyss (1713-1729) mussten sich, neben ewigen Reibereien mit dem Luxemburger Provinzialrat, vor allem mit der Abtei Orval und den dort verbreiteten jansenistischen, d.h. strengkirchlichen, zum Teil häretischen Strömungen des 18. Jahrhunderts auseinandersetzen. Verhorst konsekrierte 1691 die Pfarrkirche von Junglinster, von Eyss 1712 die Pfarrkirchen in Ettelbrück, Arsdorf und Oberpallen sowie die Filialkirche in Eich, 1723 die Kirchen von Beckerich und Mamer. Von Eyss und Weihbischof Nalbach (1730-1748) verbreiteten in der ganzen Trierer Erzdiözese den Katechismus des Luxemburger Jesuitenpaters Scouville. Nalbach weihte zahlreiche Pfarrkirchen im Luxemburgischen: 1733 Niederfeulen und Rambruch, 1735 Weiler-zum-Turm, Frisingen, Düdelingen, Niederkolpach und Fischbach, 1738 Schüttringen, Sassenheim, Reckingen, Vichten, 1745 Monnerich und Schifflingen sowie die Kongregationskirche Unserer Lieben Frau in Luxemburg (Ste Sophie).

Der wohl bekannteste Trierer Weihbischof Johann Nikolaus von Hontheim, der unter dem Pseudonym Febronius papstkritische Schriften verbreitete, verbrachte seine letzten zehn Jahre (1780-90) im luxemburgischen Montquintin bei Virton, wo heute noch der Zentralplatz nach ihm benannt ist und die Ruinen seines Residenzschlosses erhalten sind. Hontheim hatte seinerseits 1774 die neue Pfarrkirche von Junglinster geweiht.

Ausklang

Unsere kirchliche Vergangenheit bis 1800 wurde zu einem beträchtlichen Teil im Prisma des Trierer Weihbischofsamtes geschrieben. Es ist zugleich ein wesentliches Stück Vorgeschichte der eigenständigen Luxemburger Ortskirche, die, nach jahrhundertelangen Fehlschlägen, mit dem 1840 gegründeten Apostolischen Vikariat Luxemburg einsetzte. Mit der Französischen Revolution, die unser Land ab 1795 erfasste, und spätestens der Neuorientierung nach Frankreich und Belgien nach dem Ersten Weltkrieg, endete unsere während langer Zeit strukturell bedingte Osmose zur Trierer Kirche und damit auch zu deren Bischöfen und Weihbischöfen.

Doch kommen immer wieder im Rahmen von Festlichkeiten wie Muttergottes-Oktave oder Echternacher Springprozession Trierer Bischöfe und Weihbischöfe nach Luxemburg und unterstreichen die gutnachbarlichen Beziehungen zwischen der alten Trierer Kirche und der „jungen“ Luxemburger Erzdiözese.

Georges HELLINGHAUSEN
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