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Mit Maria der Hoffnung entgegen

Kommentar zu Mariä Himmelfahrt - Abbé Daniel Graul (15.08.2026)

Das Hochfest Mariä Himmelfahrt „Léiwfrawëschdag“ stellt uns eine einfache, aber tiefgehende Frage: Sind wir heute noch Menschen, die über das Irdische hinaus hoffen? In einer Zeit, die sich oft ganz auf das Hier und Jetzt konzentriert, scheint der Blick zum Himmel verloren gegangen zu sein. Wir hoffen auf Gesundheit, Sicherheit und Erfolg. Das ist verständlich. Aber reicht das alles? Was trägt uns, wenn Krankheit, Abschied oder Tod unser Leben durchkreuzen?

„Léiwfrawëschdag“ erinnert uns daran, dass wir Menschen für mehr geschaffen sind. Wir Christen glauben, dass Gott uns nicht nur für diese Welt bestimmt hat, sondern auch für die Gemeinschaft mit ihm. Mariä Himmelfahrt ist deshalb nicht nur ein Fest über Maria. Es ist auch ein Fest über unsere eigene Zukunft. Was Gott an Maria vollendet hat, möchte er eines Tages auch an uns vollenden.

Das Evangelium zeigt uns Maria auf dem Weg zu Elisabeth, nachdem sie die Botschaft des Engels empfangen hat. Maria bleibt nicht bei sich selbst stehen, sondern sie möchte ihre Freude und ihre Hoffnung mit Elisabeth teilen. Auch wenn Maria nicht alles versteht und viele Fragen offenbleiben, sagt sie Ja zu Gott und seinem Weg.  

Gerade diese Hoffnung will, wie bei Maria, geteilt werden. Deshalb ist das Evangelium auch ein schönes Bild für eine synodale Kirche. Maria und Elisabeth begegnen einander, hören einander zu und erkennen gemeinsam Gottes Wirken. Daraus können wir lernen, gemeinsam unterwegs zu sein, einander zuzuhören und nach Gottes Willen zu suchen. Die Kirche lebt nicht davon, dass jeder seinen eigenen Weg geht, sondern dass wir gemeinsam auf Christus schauen und uns von ihm führen lassen. Maria zeigt uns, dass echter Glaube bewegt und Hoffnung schenkt.

Papst Franziskus sagte 2023 zu Mariä Himmelfahrt: „Wir brauchen nämlich Hoffnung. Ihrer bedarf die Gesellschaft, in der wir leben … ihrer bedürfen die jungen Menschen, die oft orientierungslos sind … ihrer bedürfen die älteren Menschen … ihrer bedürfen die Kranken und all jene, die an Körper und Geist verwundet sind. Die Kirche braucht Hoffnung … Wir alle, Brüder und Schwestern, brauchen Hoffnung.“

Diese Worte sind heute aktueller denn je. Viele Menschen fragen sich, worauf sie noch bauen können. Maria erinnert uns daran, dass Gott den Menschen nicht allein lässt, sondern ihn auf seinem Weg begleitet. Darum dürfen wir mit Zuversicht leben. Unsere Hoffnung gründet sich nicht auf den Erfolg unseres Lebens, sondern auf den auferstandenen Christus.

Gott hat Maria mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen. Damit zeigt er auch uns das Ziel unseres Lebens. Die Kräutersegnung erinnert uns an Gottes Segen, die Schönheit der Schöpfung und daran, dass Gott uns auf unserem Lebensweg begleitet.

Wer aus der Hoffnung Christi lebt, geht mutiger und gelassener durch diese Welt, weil er darauf vertraut, dass Gott unser Leben zur Vollendung führen wird. Maria geht uns voraus und lädt uns ein, diesen Weg voller Hoffnung mitzugehen.

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