Der Ruf in die Nachfolge in einer synodalen Kirche
Kommentar zum 26. Sonntag im Jahreskreis A - Renée Schmit (27.09.2026)
Kennen sie das Gefühl etwas nicht zu wollen, um es später dennoch zu tun?
Im Sonntagsevangelium wendet Jesus sich an die Pharisäer. Was braucht es, damit Nachfolge in die konkrete Mitarbeit mündet? Dazu erzählt Jesus ein einfaches Gleichnis: Ein Winzer hielt Ausschau nach Tagelöhnern. Da er sowohl den Weinberg als auch seine beiden Söhne liebte, berief er sie zur Mitarbeit in seinem Eigentum. Der erste Sohn war sofort einverstanden, um sich dann nach kurzer Begeisterung dennoch abzuwenden. Infolgedessen berief der Winzer seinen zweiten Sohn. Dieser winkte sofort ab, um sich anschließend dennoch auf den Ruf des Winzers einzulassen und als Tagelöhner im Besitz des Vaters zu arbeiten. Um was geht es in diesem Evangelium? Was bewegt Jesus, um die Pharisäer zu provozieren?
Mit dem Winzer ist Gott selbst gemeint. Tag für Tag hält er Ausschau nach Menschen, die er zur Mitarbeit anwerben kann. Er weiß um das Potenzial des Einzelnen. Er kennt seine Stärken und Schwächen, seine Talente, seine Charismen und rechnet mit ihm. Er kennt aber auch jene, die sich anheuern lassen, dann aber Arme und Hände sinken lassen und ihre Mitarbeit kündigen. Diese Haltungen charakterisieren den ersten Sohn: Widderstände auf dem Weg der Berufenen und Halsstarre im Leben der Menschen. Aber aus selbstloser Liebe gibt Gott die Hoffnung nicht auf und rechnet er immer wieder mit einer neuen Herzensoffenheit.
In einer säkularen Gesellschaft wenden sich viele Menschen von Gott ab. Sie kehren der Kirche aus unterschiedlichen Gründen den Rücken zu, obwohl viele von ihnen noch in einem christlichen Umfeld groß geworden sind. Sie sind mit dem ersten Sohn zu vergleichen. Aber es gibt auch andere. Sie sind in ein säkulares Umfeld hineingeboren, machen aber später eine Gottes-und Gemeinschaftserfahrung. Sie sind mit dem zweiten Sohn zu vergleichen. Von diesem neueren Phänomen zeugen aktuell manche Seelsorger und Seelsorgerinnen. Sie werden von Menschen angesprochen, die weder eine christliche Erziehung noch eine ausgeprägte Kirchenerfahrung haben. Besondere Umstände oder brennende Zeugen haben in ihnen einen neuen Zugang zu Gott und Kirche eröffnet. Mit ihnen hat niemand gerechnet.
In diesem Sonntagsevangelium möchte Jesus uns nahebringen, dass Gott nicht kleinlich ist, sondern ein weites Herz hat.
Vielleicht spiegelt sich auch unser Leben in einem der beiden Söhne wider? Was braucht es, um auszupacken, statt einzupacken. Nach der Erfahrung der europäischen Konferenz « Shaping synodality in Europe », Mitte September in Linz, bin ich fest davon überzeugt, dass Gott aus Liebe an jedem von uns interessiert ist und neue Wege mit den Getauften und allen Menschen guten Willens gehen möchte. Dazu braucht es nach Bischof Dr. Heiner Wilmer, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, der diese Woche der „Rentrée pastorale 2026“ in Luxemburg vorstand, ein gutes Miteinander. Nach Bischof Wilmer nährt es sich durch das Einüben von Stille im Alleinsein mit Gott. Es lässt sich führen durch das Feuer des Heiligen Geistes und den Zuspruch Gottes, der uns mit Wohlwollen bei unserem Namen ruft und kennt. Synodalität schöpft immer wieder neue Kräfte aus dem Schönen und Guten, das ein Ausdruck der Herrlichkeit Gottes ist und aus der Gerechtigkeit, im Einsatz für die Würde des Menschen, von der Wiege bis zur Bahre.