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Wegweiser

Kommentar zum 18. Sonndeg am Kierchejoer - Marie-Christine Ries (03.08.2025)

Ein Mann fordert Jesus auf ihm zu helfen. Und Jesus lehnt ab: Ich bin für deine Anfrage nicht zuständig.

Und damit nicht genug. Jesus nutzt die Anfrage um den Menschen um ihn herum eine Warnung gegenüber der Habgier zu geben.

Dabei ging es dem Mann doch nur um Unterstützung im familiären Erbstreit.

Ich werde die Frage nicht los, wieso Jesus so reagiert? Will er die Aufmerksamkeit des Fragestellers und der Menschen rundum auf etwas Wesentlicheres lenken oder sie auf die Versuchung der Habgier hinweisen oder sie einen anderen Umgang mit Reichtum lehren?

Dass Jesus sich nicht zuständig für die Anfrage des Mannes sagt, kann ich verstehen. Es geht ihm um mehr: Jesus ist gekommen, damit die Menschen Leben in Fülle haben. Dazu gehört auch, die Menschen aufmerksam zu machen auf das, was sie unfrei macht, auf das was sie beherrscht. Und Jesus zeigt einen Weg sich davon befreien zu lassen.

Kann es sein, dass der Mann so beherrscht, von diesem Erbstreit ist, dass alle seine Gedanken und Handlungen nur noch um diesen Streit drehen und sein Leben beherrschen. Das wäre verständlich, wenn das Überleben des Mannes (und das seiner Familie) von dieser Erbschaft abhängen. Und doch würde das „Gefangensein“ in diesem Streit, den Menschen innerlich krank machen und letztendlich auch seine sozialen Kontakte vergiften.

Es könnet auch sein, dass der Mann in seiner Habgier nur noch Geld ansammeln will, ohne den Verpflichtungen gegenüber seiner Familie und der Gesellschaft nachzukommen?

Jesus sagt dem Mann nicht, das, was du tust, ist gut oder schlecht. Jesus will, dass seine Zuhörer-innen, also auch uns, über unseren Umgang mit Geld, nachzudenken.

Keine einfache Aufgabe. Doch das Ziel ist klar, uns nicht vom Drang nach „mehr2 beherrschen zu lassen.

In seinem Buch:“ Warum der Vogel singt“ erzählt Antony de Mello die Geschichte von den sieben Krügen voller Gold, welche ein Geist den Menschen anbietet. Jeder, der die Krüge annimmt stellt fest, dass einer der Krüge halbleer ist, und setzt fortan alles daran diesen Krug zu füllen. Auf Kosten des eigenen Glücks. Denn das Gold in den Krügen kann nicht ausgegeben werden, es bewirkt nur den inneren Zwang, es zu horten.

Die Lösung liegt in der Zurückgabe des Goldes. Ab der Minute ist der Mensch wieder glücklich.

Ich mag diese Erzählung sehr, denn sie lehrt mich, dass das Glück im Teilen liegt.

 

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