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Beten? – Wie geht das?

Sonntagskommentar zum 17. Sonntag im Lesejahr C - Milly Hellers

Im Evangelium vom 17. Sonntag des Jahres C (Lukas 13,1-11) heißt es: Jesus betete einmal an einem Ort; als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: „Herr lehre uns beten…“

Ein Jünger hatte Jesus gesehen, als er betete. Das muss ihn beeindruckt und in ihm die Sehnsucht erweckt haben, auch selber zu beten – aber wie? – mit wem sprechen wir dann?  Dies kann in uns die Frage erwecken: Wen haben wir in unserer Kindheit und Jugend beten gesehen? Wer hat uns beten gelernt? Wie hat sich unser Gebet im Laufe der Zeit, durch die Höhen und Tiefen der persönlichen Lebensgeschichte verändert?

Über das Beten gibt es viele Schriften, Bücher, Erklärungen. Gebete und auch persönliches Beten haben sich je nach Kultur und Jahrhundert entwickelt und verändert. Im 16. Jahrhundert waren lateinische Gebete, welche mündlich verrichtet wurden ein wichtiger Aspekt vom Glaubensleben. Da aber die Menschen damals kaum lesen und schreiben konnten – haben sie auch oftmals die lateinische Sprache nicht verstanden. Vielleicht erinnert diese Gebetsform so manche an die eigene Kindheit.

Die Heilige Teresia von Avila (1515-1582) Ordensfrau und Reformatorin des Karmeliterordens, lud ein zum inneren Gebet – zum persönlichen und intimen Gespräch mit IHM. Für sie war beten, nicht etwas tun – sondern – mit Jemandem sprechen. In ihrer Autobiographie schrieb sie: „Meiner Meinung nach ist inneres Beten nichts anderes als ein Gespräch mit einem Freund, mit dem wir oft und gerne allein zusammenkommen, um mit ihm zu reden, weil wir wissen, dass er uns liebt.“ (V 8,5)

In einem anderen ihrer Bücher – Weg der Vollkommenheit – schreibt sie: „Wenn ihr beim Sprechen mit einem so großen Herrn sein sollt, wie es sich gehört, dann ist es gut darauf zu achten, mit WEM ihr da sprecht.“ (CV 22,1) Dann schreibt sie weiter: „Herr, erlaube es doch nie, dass einer, der dich lobt und sich dranmacht mit dir zu sprechen, das nur mit dem Mund macht“. (CV 22,1)

Diese Worte von Teresia von Avila beruhen auf der Einladung Jesu sich im Gebet an den Vater , an unseren Vater zu richten.  Wir glauben an einen Gott, welcher der Vater aller Menschen ist, der aus uns allen, Brüder und Schwestern macht – egal welcher Hautfarbe, Herkunft oder Geschlecht.

Jesus sagte: „Bittet und es wird euch gegeben.“ Jemanden um Rat, um Hilfe, um Beistand bitten, sei es in der Familie – im Berufsleben oder im Freundeskreis, das fordert viel Mut – und Vertrauen. Und genau dazu lädt uns Jesus ein in diesem Sonntagsevangelium.

Viele von uns kennen das Gebet des „Vater Unser“ seit früher Kindheit. In manchen Familien wurde es vor dem Essen gebetet. In den Gottesdiensten – egal ob Eucharistiefeier, Wortgottesdienst oder Rosenkranzgebet gehört es zum Ablauf. Rituale sind sehr hilfreich. Sie riskieren aber auch manchmal „abgedroschen“ zu sein. Nicht umsonst warnte Teresia von Avila bereits im 16. Jahrhundert – dass wir, wenn wir beten, „niemals vergessen dürfen mit WEM wir sprechen“.

Das Gebet des Vater Unser beginnt mit der bewussten Anerkennung von DEM mit dem wir sprechen – was laut Teresia von Avila eine der Ausgangsbedingungen des Gebetes ist.   Dann folgt eine Reihe von Bitten, welche in heutigen unruhigen Zeiten eine andere Bedeutung bekommen. „Dein Reich komme …, Dein Wille geschehe im Himmel und auf Erden ..., gib uns heute unser tägliches Brot …, verzeih uns unsere Schuld…, erlöse uns von allem Bösen...“

Zum Abschluss dieses Sonntagskommentares erlaube ich mir, Sie, liebe Leserinnen und Leser einzuladen, sich einige Minuten Zeit zu nehmen und vielleicht in Verbundenheit mit IHM, das Gebet des Vater Unser, das Jesus seine Jünger und somit auch uns gelehrt hat, zu beten.

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