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Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen

Sonntagskommentar zum 20. Sonntag im Lesejahr C - Abbé Henri Hamus (17.08.2025)

Ich habe mit Freunden über das Evangelium vom nächsten Sonntag ausgetauscht. Der Text war zunächst verstörend. Feuer auf die Erde werfen und statt Frieden Spaltung bringen: diese Worte aus dem Munde Jesu irritieren. Was zur Zeit in Gaza, in der Ukraine geschieht, verbietet uns doch, von Feuer und Zerteilung zu sprechen. Sollte man nicht besser diesen Evangelientext am Sonntag austauschen?

Zugegeben: diese Jesusworte passen nicht so richtig in unser Jesusbild, passen nicht zum Jesus der Barmherzigkeit, der Liebe zu den Kleinen, zum Verkünder der Guten Nachricht.

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Im Lukasevangelium ist Jesus auf dem Weg nach Jerusalem. Er weiß, dass sein Leben in Gefahr ist; er ahnt die definitive Ablehnung der Herrschenden und seinen gewaltsamen Tod. Das Schlüsselwort ist vielleicht die Taufe. Johannes der Täufer hatte auf Jesus gezeigt, der "mit Heiligem Geist und Feuer taufen wird". Im Feuer wird das Metall von den Schlacken getrennt. In der Taufe wird der alte Mensch im Wasser "ertränkt" und als neuer Mensch aus dem Wasser gezogen. Wenn Jesus von seiner Taufe spricht, deutet er seinen Tod an, in dem er schmerzlich von seinem Leib getrennt wird.

Mit der ganzen Leidenschaft, mit der Jesus lebt und verkündet und handelt, möchte er die ganze Erde anstecken, entflammen. Sören Kierkegaard sagte einmal: "Jesus will Nachfolger, keine Bewunderer." Er will Menschen anstecken, sich genauso leidenschaftlich wie er selbst einzusetzen für Gott, für das Gute und die Liebe. An Pfingsten kommt der Heilige Geist in Feuerzungen auf die Jüngerinnen und Jünger. "Entzünde in uns das Feuer deiner Liebe", beten wir.

Jesus ist realistisch genug, um zu wissen, dass er damit Entscheidung fordert. Er will klare Kante. Ja oder Nein, keinesfalls so ein schwammiges Jein! Dass das Spaltung bringt, ist unausweichlich. Jesus selber hat es erfahren: seine eigenen Landsleute in Nazareth lehnen ihn ab; von der eigenen Familie hat er sich absetzen müssen. Meine Familie, sagt er, sind die "die Gottes Wort hören und danach leben".

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Nicht Frieden sondern Spaltung. Frieden ist nicht das Gleichgewicht der Kräfte, der Kompromiss der Gegensätze, schon gar nicht das Schweigen der Waffen (die man vorsichtshalber aber weiter behält). "Meinen Frieden gebe ich euch; nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt" (Johannes 14,27). "Er ist unser Friede" sagt der Epheserbrief: Jesus hat durch seinen Tod am Kreuz alles versöhnt, er hat die Feindschaft getötet und den Zugang zum Vater eröffnet.

Von diesem Frieden sagte Papst Paul VI., dass sein neuer Name "Entwicklung" sei, und Papst Johannes Paul II. schrieb "Kein Friede ohne Gerechtigkeit".

Wer sich für diesen Frieden entscheidet, wird auch heute nicht nur Freunde haben. Im Kräftespiel der Mächtigen geraten (wie immer) die Kleinen unter die Räder: die Waffenindustrie verschlingt ungleich mehr Geld als die Hungerhilfe und die Partnerschaft mit dem Globalen Süden. Das Protzgebaren der Großmächteführer gefährdet sogar den Waffenstillstandsfrieden; es entfernt die Menschheit im Gegenteil immer weiter von einem Frieden in Gerechtigkeit.

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Die Worte Jesu an diesem Sonntag bleiben sperrig, sie provozieren. Vielleicht ist das gut so. Sie bringen uns zum Nachdenken. Sie führen uns in die Mitte dessen, was Jesus wollte: selber leidenschaftlicher Verkünder der Sache Gottes, will er auch heute feurige Nachfolger.

Ob wir, unsere kirchlichen Gemeinschaften Feuer haben oder doch sehr im Filz der Kompromisse und Halbheiten verbleiben, ängstlich besorgt, ja nicht anzuecken, niemand zu verstimmen und ja nicht benachteiligt zu werden, soll eine beunruhigende und provozierende Frage sein!

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Im Brief an Diognet (um 120 nach Christus) heißt es: "Die Christen unterscheiden sich von den anderen nicht nach Land, Sprache oder Gebräuchen. Sie bewohnen keine eigene Stadt, sprechen keine eigene Mundart, und ihre Lebensweise hat nichts Ungewöhnliches - Wie sie jedoch zu ihrem Leben als solchem stehen und es gestalten, darin zeigen sie eine erstaunliche und, wie alle zugeben, unglaubliche Besonderheit… Um es kurz zu sagen: Was die Seele im Leib ist, das sind die Christen in der Welt. Die Seele durchdringt alle Glieder des Leibes, die Christen alle Städte der Welt. "

Unsere Welt braucht mehr Seele! Mehr feurigen Einsatz für Frieden und Hoffnung! "Ihr seid das Zeichen dafür, dass eine andere Welt möglich ist, eine Welt der Freundschaft, in der Konflikte nicht mit Waffen, sondern mit Dialog gelöst werden," rief Papst Leo XIV. den Jugendlichen in Rom zu – und auch jedem von uns!

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