Skip to main content Skip to page footer

Das Kreuz als Unterschrift und Stempel der Schöpfung

Sonntagskommentar zum 24. Sonntag im Lesejahr C - P. Theo Klein scj (14.09.2025)

Das christliche Leben steht mit dem Zeichen des Kreuzes. Wir bekreuzigen uns regelmäßig. Wir begegnen das Kreuz oft – selbst noch in den entferntesten Bereichen entdecken etwas, was mit dem Christentum zu tun hat. Ich denke an die Schweizer Fahne und das Kreuz der Croix Rouge. Ist das Kreuz ein Zeichen unter vielen? Macht das Kreuz uns als Christen kenntlich neben dem Halbmond oder ist dieses Zeichen austauschbar? Unvergesslich bleiben mir die Worte während meinem Studium in einer Vorlesung des Jesuitenpater Paul Valadier mit seinen provokanten und nachdenklichen Worten, dass das Kreuz für viele nur noch eine „christliche Kulisse“ (décor chrétien) sei. Das Kreuz kann immer wieder missbraucht werden, vom Anfang an seiner Verbreitung vom Christusmonogramm des Konstantin bis in die Konfessionskriege oder die Kreuzzüge etc… Damit ist aber nicht alles über das Kreuz gesagt.

Es scheint ein Defizit unserer Zeit zu sein, dass wir oft nur in Funktionen denken. Das tun wir auch beim Menschen. Wenn wir nämlich nach dem Menschen fragen, beschreiben wir seine Funktionen. Und wenn ein Mensch nicht mehr „funktioniert“, haben wir schon Probleme mit ihm. Das gilt in umfassender Weise für die ganze Schöpfung, die ganze Welt und für unser ganzes Leben.

Wir müssen einen Schritt weg von der Funktionalität und hin zum Wesen. Wenn wir das Fest Kreuzerhöhung feiern, dann hilft uns die Betrachtung dieses Zeichen, von der Wesenhaftigkeit der Dinge, der Schöpfung, des Menschen und des Kreuzes zu sprechen und tiefer zu sehen. Das Kreuz, mit dem wir uns und Dinge bezeichnen, ist keineswegs in seinen Funktionen erschöpfend beschrieben. Pater Anselm Grün hat im Jahre 1975 in seiner Dissertation „Erlösung durch das Kreuz“ aufgezeigt, dass das Kreuz das Ausgespanntsein zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und Mensch bedeutet. Nur in dieser Spannung kann der Mensch leben und seine Bestimmung erfüllen. Das Wesen der Kreuzgestalt ist, dass sie alle Gegensätze umfasst: Liebe und Dunkel, Oben und Unten, Erde und Himmel, Ich und Du“ (S.253). Es lohnt sich einen Blick auf die Kirchenväter zu werfen, die die Tiefe der Wesenhaftigkeit des Kreuzes entdeckt haben. Das Kreuz ist zunächst ein Zeichen der Schande, eines schmachvollen Todes für die Slaven, für die letzten Verbrecher, für den letzten Dreck der auf dieser Welt herumläuft. Diese Scheu ist den ersten Christen tief in die Glieder gefahren. Paulus sagt, dass in diesem Kreuz die wahre Weisheit Gottes zum Ausdruck kommt.  Das ist für Kirchenväter Basilius, Cyprian, Cyrill, Tertullian ein Anlass tiefer darüber nachzudenken. Diese Kirchenväter machen eine revolutionäre Entdeckung: Das Kreuz ist in allen Dingen zu finden! Das Kreuz ist die Signatur, der Stempel der Schöpfung. Die Kirchenväter machen das an alltäglichen Beobachtungen fest, die wir auch heute teilen. Sie beobachten die Vögel am Himmel und sagen, wenn ein Vogel in der Luft das Kreuz nachbildet mit den Flügeln, kann er der Luft widerstehen und fliegen. Wenn der Vogel die Flügel anzieht, geht das nicht mehr. Wenn der Mensch sich daran macht, das Element des Wassers zu bezwingen auf dem Meer, muss er ein Segel setzen, einen Mast und einen Querbalken. Im Zeichen des Kreuzes kann er über das Meer getragen werden. Heute können wir das, was die Kirchenväter damals noch nicht wussten konnten, bis in die Mikrobiologie verfolgen: Die Zelle, ja die kleinste Zelle, trägt in ihrer Teilung das Zeichen des Kreuzes. Die Kirchenväter haben heute nichts an Aktualität verloren, indem sie feststellten, dass das Kreuz die Signatur der ganzen Schöpfung ist. Im Blick auf Christus hat Gott die Schöpfung und den Menschen geschaffen.

 Es ist sinnvoll, dass die Kirche am Kreuzfest rot trägt, damit die klaffende Wunde schon einsichtig wird. Aber es bleibt keine klaffende Wunde. Sie kann geschlossen werden. Das Kreuz ist die Kraft, die uns prägen soll, uns leben lässt über den Tod hinaus, weil sie uns mit dem verbindet, der durch das Kreuz gegangen ist in einen unzerstörbaren Morgen, den wir ewiges Leben nennen. Der Wahlspruch des Kartäuserordens „Das Kreuz steht fest, während die Welt sich dreht“, stellt die Flüchtigkeit und Unbeständigkeit der Welt die Endgültigkeit und Sieghaftigkeit der Erlösung durch das Kreuz Jesu Christi entgegen. Wer das Kreuz eliminiert, schafft das Leben ab. Das Kreuz gehört zu unseren Wurzeln, zur DNA des Lebens und der Schöpfung.

 

Och an dëser Rubrik

Geduldiges Überzeugen statt Angst und Schläge

Faire de la place au Sauveur qui vient

Wegweiser Fest Chris-König

Wer mein Jünger sein will...