Schluss mit „Eigentlich“. Heute anfangen, nicht vertagen!
Sonntagskommentar zum 25. Sonntag im Lesejahr C - Abbé Daniel Graul (21.09.2025)
Wir sagen oft zu uns selbst: „Eigentlich müsste ich … mehr Zeit mit der Familie verbringen, wieder einmal Freunde besuchen, öfter beten, meine Talente einbringen …“. Der gute Wille ist da – und doch bleibt es oft nur beim Vorsatz.
Im Evangelium (vgl. Lk 16,1-13) lernt der ungerechte Verwalter, dass es nicht weitergehen kann wie bisher. Sofort handelt er entschlossen, auch wenn seine Art und Weise nicht ganz ehrlich ist. Jesus tadelt seine Unehrlichkeit, aber trotzdem lobt er den Mut des Verwalters, der endlich seine Probleme anpackt. Es bleibt nicht beim „Eigentlich müsste ich …“, sondern er tut etwas.
Darum der Aufruf Jesu an uns: Schiebt euer Leben nicht vor euch her. Trefft Entscheidungen. Fangt an, dort, wo es nötig ist. Nicht nur überlegen, sondern anfangen. Nicht nur reden, sondern handeln.
Und der 1. Timotheusbrief (2,1-8) zeigt die andere Seite: das Beten. Paulus bittet uns: Betet für alle Menschen – für die die Verantwortung tragen und für die die euch nahe sind. Und wieder denken wir: „Eigentlich müsste ich mehr beten.“. Paulus sagt schlicht: Tut es. „Dein Gebet ist dein Gespräch mit Gott. Wenn du liest, spricht Gott zu dir; wenn du betest, sprichst du mit Gott.“ (Augustinus, Enarrationes in Psalmos). Unser Gebet ist nicht vergeblich. Es verändert uns und die Welt.
Jetzt nach den Sommerferien beginnt vieles neu: Schule, Arbeit, Vereine, auch das Leben in der Pfarrei. Wir alle haben Gaben, Zeit und andere Ressourcen. Sie sind uns anvertraut, nicht zum Aufbewahren, sondern zum Teilen. Setzen wir sie ein – in der Familie und Nachbarschaft, im Beruf und im Verein, in unserer Kirche. Begleiten wir unser Tun mit Gebet. So kann Gutes wachsen.
Ein einfaches Bild hilft: Wo jemand einen kleinen Samen der Güte sät – ein Anruf, ein geteiltes Brot, ein paar Minuten stilles Gebet – beginnt schon Neues zu wachsen. Vieles wächst verborgen, unspektakulär. Gott lässt es reifen. Aus kleinen Gesten entstehen Versöhnung und Gemeinschaft und wir erfahren darin Erfüllung und Leben. Aus einem „Ich fang an“ wird ein Weg, der Leben schenkt.
Dieses heilige Jahr lädt uns ein, Pilger der Hoffnung zu sein. Wir sind unterwegs. Wir wissen nicht, was hinter der nächsten Biegung liegt, aber wir wissen: Wir gehen nicht allein. Gott geht mit. Er hört unser Gebet. Er stärkt uns. Darum lohnt es sich, immer wieder neu aufzubrechen. Sagen wir nicht länger: „Eigentlich müsste ich“, sondern: „Ich gehe los.“.
Es kommt nicht auf die großen Taten an. Wichtig ist, dass wir gemeinsam unterwegs sind. Wo wir unsere Talente teilen und füreinander beten, wird unser Tun zum Segen. Gemeinschaft wächst. Hoffnung wächst. Mitten unter uns. Bitten wir um Mut für diesen ersten Schritt – heute.