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„Komm Schöpfer Geist“

Kommentar zu Pfingsten Jahres A - Bodo Bost (24.05.2026)

Nach Ostern ziehen sich die Jünger hinter verschlossene Türen zurück. Angst, Enttäuschung und Schuld kennzeichnen ihre Stimmung. Die Kreuzigung Jesu hat ihre in ihn gesetzten Hoffnungen erschüttert. Selbst die Botschaft von der Auferstehung nimmt ihnen zunächst nicht die Furcht. Genau in diese Situation hinein tritt der auferstandene Christus. Dies ist der Anfang der Kirche. Sie entsteht nicht aus menschlicher Stärke, sondern aus der Gegenwart Christi selbst.

Die ersten Worte Jesu lauten: „Friede sei mit euch!“ Das hebräische „Schalom“ umfasst Heil, Versöhnung, neues Leben und die Wiederherstellung der Beziehung zu Gott. Christus begegnet den verängstigten Jüngern nicht mit Vorwürfen, sondern mit Frieden. Dann zeigt er ihnen seine Hände und seine Seite. Der Auferstandene bleibt der Gekreuzigte. Die Wunden sind nicht ausgelöscht, sondern verwandelt. Sie bleiben sichtbar als Zeichen der Liebe Gottes, die selbst durch Leiden und Tod hindurchgeht. Darin liegt eine bleibende Mahnung für die Kirche: Sie darf niemals triumphalistisch werden oder sich nur über Macht und Erfolg definieren. Die Kirche lebt aus der Erinnerung an den leidenden Christus und aus der Erfahrung, dass Gottes Kraft gerade in menschlicher Verwundbarkeit sichtbar wird.

Anschließend spricht Jesus: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ In diesem Satz liegt der eigentliche Ursprung der Kirche ist gesandt zur Welt. Die verschlossenen Türen öffnen sich. Aus Angst wird Aufbruch. Wie Christus den Menschen begegnet ist — heilend, hörend, vergebend und aufrichtend — so sollen auch wir den Menschen nahe sein. Pfingsten bedeutet deshalb keine Flucht in religiöse Innerlichkeit, sondern Sendung mitten in die Wirklichkeit des Lebens.

Die Pfingstgeschichte geht weiter mit dem Satz: „Er hauchte sie an und sagte: Empfangt den Heiligen Geist.“ Damit erinnert das Johannesevangelium bewusst an die Schöpfungserzählung, wo Gott dem Menschen den Lebensatem einhaucht. Pfingsten wird durch den Heiligen Geist zu einer neuen Schöpfung. Der Heilige Geist ist Gottes lebendige Gegenwart, die die Menschen verwandelt und erneuert. Wo der Geist wirkt, entstehen neues Leben, in Wahrheit, Versöhnung und Liebe.

Gerade darin liegt die bleibende Aktualität des Pfingstfestes. Viele Menschen erleben heute Orientierungslosigkeit, Angst, Einsamkeit und gesellschaftliche Spaltungen. Der Geist Gottes öffnet Räume der Hoffnung. Er befähigt Menschen, einander zuzuhören, Brücken zu bauen und dem Leben neu zu vertrauen. Darum betet die Kirche seit Jahrhunderten: „Veni Creator Spiritus“ — „Komm Schöpfer Geist“.

Pfingsten ist deshalb kein abgeschlossenes Ereignis der Vergangenheit und nicht nur der „Geburtstag der Kirche“ für einen Tag. Pfingsten geschieht immer wieder neu — überall dort, wo Menschen sich vom Geist Gottes verwandeln lassen. Die Kirche beginnt mit verängstigten Menschen. Doch der auferstandene Christus schenkt Frieden, sein Geist sendet aus bis an die Enden der Erde.

Afrika als pfingstlicher Kontinent

Die Geschichte der Kirche zeigt, dass der Geist Gottes oft dort neue Kraft schenkt, wo man es am wenigsten erwartet. Über viele Generationen verstanden sich die europäischen Kirchen als sendende Kirchen. Missionare gingen von Europa nach Afrika, Asien und Lateinamerika. Heute hat sich diese Wirklichkeit tiefgreifend verändert. Während viele europäische Kirchen unter Glaubensverlust, Überalterung und Säkularisierung leiden, wächst die Kirche in vielen Ländern Afrikas mit großer Lebendigkeit. Dort entstehen junge Gemeinden, Berufungen und ein öffentlich gelebter Glaube mit großer Selbstverständlichkeit. Dies konnte ich vor zwei Wochen selbst in der Elfenbeinküste erleben.

Von Afrika aus entsteht eine neue geistliche Bewegung in der Weltkirche. Das zeigt sich auch an diesem Pfingsten in Luxemburg, wo Vertreter der europäischen und afrikanischen Bischofskonferenzen zu einem synodalen Erfahrungsaustausch zusammenkommen. Dort geht es darum, wie der christliche Glaube in einer erschöpften und zunehmend orientierungslosen Gesellschaft in Europa vom geistigen Aufbruch der jungen Kirchen in Afrika lernen kann, damit beide Kontinente im Glauben ihre pfingstliche Mission erfüllen können.

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