Wer bin ich?
Kommentar zum 21. Sonntag im Jahreskreis A - Fränk Strock, Diakon (23.08.2026)
Diese Frage aus einem Gesellschaftsspiel, in dem jemand einen Zettel auf die Stirn geklebt bekommt auf dem ein Name einer berühmten Person steht und durch Fragen herausfinden muss, wer er denn nun ist, kennen wir und haben es bestimmt schon mal selbst gespielt. Wenn wir gefragt werden, „wer bist du?“, was antworten wir? Name, Beruf, Alter, Zivilstand usw. Dinge, die Teil von uns sind, aber nicht wirklich aussagen „Wer“ wir sind. Eine Frage, auf die wir wohl nie eine richtige Antwort finden. Im Gefängnis schrieb Dietrich Bonhoefer ein Gedicht mit diesem Titel (eine Einladung zum Lesen). Hin- und hergerissen zwischen dem was wir selber über uns denken und dem was andere über uns sagen.
Jesus im Evangelium die Sonntagsfrage, die Politiker und Journalisten gerne haben: „Was denken die Leute über mich? Wie beliebt bin ich?“ Die Jünger sagen ihm, dass die Meinungen weit auseinander gehen. (Mat 16,13-14) In seiner pädagogischen Art und Weise führt Jesus sie vom Allgemeinen zum Persönlichem: „Und für euch, wer bin ich?“ (16,15)
Hier will ich kurz ausschwenken und ich eine Frage aufwerfe, die sich größere theologische Köpfe stellen als meiner: wusste Jesus von Anfang an, dass er Gottes Sohn ist oder hat er es, wie Menschen so sind, im Laufe der Zeit erkannt, in der der Heilige Geist durch ihn gewirkt hat? Der Leser verzeiht mir, wenn ich hier keine Stellung beziehe.
Ob Petrus seine Antwort (16,16) wirklich verstanden hat, bezweifle ich, denn beim Lesen über diese Perikope hinaus, fällt er wieder in eine menschliche Wahrnehmung zurück und zeigt, dass er nichts verstanden hat. (16,22)
Auf Petri Antwort „Du bist der Messias, der Sohn Gottes“ sagt Jesus, dass das nicht von ihm kommt, sondern der Heilige Geist durch ihn spricht. (16,17) Darauf hin gibt Jesus dem Petrus eine Mission.
Um auf die Fragen „wer bist du? wer bin ich?“ finden wir nur eine Antwort, in dem wir Jesu Beispiel folgen: immer wieder berichten die Evangelisten, dass Jesus auf einen Berg oder Hügel stieg um zu beten. Durch das Gebet hat er sich tief in eine Beziehung mit seinem himmlischen Vater eingegangen.
Auch wir sind eingeladen, in die Beziehung zum dreifaltigen Gott einzugehen, im stillen Gebet uns von ihm in uns führen lassen, damit wir ihn und dadurch auch uns selbst besser kennenlernen. Was wir dann in uns entdecken, kann nur positiv sein, nach dem Motto: „Dieu ne fait pas de camelotte!“
Und hier ergibt sich unsere Mission: lebe die Beziehungen zu den Menschen, die gerade vor dir sind, in der Tiefe. Entdecke ihr Inneres, ihre Beweggründe, ihre Bedürfnisse und lege die deinigen offen. Ehepaare, die ein langes gemeinsames Leben geführt haben, werden mir bestätigen, dass sie bei ihrem Partner auch nach Jahrzehnten immer wieder Neues entdecken und er sie immer noch überraschen kann.
Am Ende werden wir wohl nie wissen, ob wir alles über uns erkannt haben. Daher endet das Gedicht von D. Bonhoeffer mit den Worten:
„Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!“