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10. Oktober 2020

Eine Hochzeit ohne Gästeliste

Kommentar zum 28. Sonntag im Jahreskreis von Claude Bache (11.10.2020)

Hochzeiten sind eine sensible Angelegenheit. Vor allem Gästelisten. Nicht selten erleben Paare ihren ersten handfesten Krach bei der Frage: Wer soll alles eingeladen werden? Oft prallen da Welten aufeinander. Der eine hat eine große Familie, die andere nicht. Eine will ein richtig großes Fest und auch die entferntesten Verwandten und Freunde dabei haben. Der andere mag es lieber im kleinen Kreis. Manch ein Paar heiratet auch ganz still und heimlich an einem anderen Ort und stellt dann die Familie vor vollendete Tatsachen.

Und dann erst die Sitzordnung! Wer passt zu wem? Wer hält es neben der geschwätzigen Tante aus? Wie kann man die zerstrittenen Geschwister möglichst weit voneinander entfernt platzieren? Wie bekommt man es hin, dass sich jeder wohlfühlt und keiner beleidigt ist? Nicht auszudenken, wie kompliziert das alles bei einer königlichen Hochzeit sein muss.

Nicht selten passiert es, dass bei aller Planung am Ende doch etwas schief läuft. Vielleicht weil man den Fehler gemacht hat, alles bis ins letzte Detail planen zu wollen.

Mir scheint, als sei dem König in dem Gleichnis, das Jesus an diesem Sonntag erzählt (Mt 22,1-14), etwas Ähnliches passiert. Die Hochzeit eines Königssohnes muss schließlich gut geplant sein. Sie ist etwas Besonderes. Auch wenn Jesus es nicht erwähnt, aber die eingeladenen Gäste sind sicherlich reich und bedeutend, hoch angesehen in der Bevölkerung. Der König lässt Mastvieh und Ochsen schlachten – alles ist vorbereitet. Und was passiert? Die Eingeladenen kommen nicht. Sie haben keine Lust, sie ziehen andere Dinge der Hochzeitsfeier vor. Aber der König schickt seine Diener immer wieder zu den Gästen, um die Einladung zu wiederholen. Doch ohne Erfolg. Einige vergreifen sich sogar an den Dienern und bringen sie um.

Der Tobsuchtanfall des Königs ist in seinen Ausmaßen sicher ein wenig befremdlich, aber vielleicht steckt genau in diesem Bild die Erkenntnis des Königs: Da habe ich wohl einen Fehler gemacht. Wieso wollte ich mich nur mit den angeblich Angesehenen und Reichen umgeben? Was habe ich mir eigentlich davon versprochen?

Ich will doch ein Fest feiern. Und ich will dieses Fest mit denen feiern, die Lust darauf haben. Also schickt er seine Diener ein letztes Mal hinaus mit dem Auftrag: Ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein.

Das ist mutig, da kann man nichts planen, keine Sitzordnung erstellen. Es gibt keine Rangfolge. Es ist egal, ob du gut oder böse bist, ob du dir Ansehen erworben hast oder ganz unscheinbar bist, arm oder reich. Die einzige Bedingung ist: Nimm die Einladung an und feiere mit mir – das aber aus ganzem Herzen!

So ist das mit Gott und seinem Reich. Gott lädt ein und zwar alle. Er will sich nicht nur mit den Reichen und Schönen, den Angesehenen und Würdeträgern umgeben. Gott wählt nicht aus. Wir selbst sind es, die die Auswahl treffen. Jeder für sich kann entscheiden: Ich nehme die Einladung Gottes an, ich will sein Gast sein.

Quelle: Luxemburger Wort

Claude BACHE
 
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