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28. Juni 2021

Elisabeth Rathgeb: Kopfsalat mit Herz - Eine spirituelle Entdeckungsreise durch den Garten

Religiöses Buch des Monats Juli

Viele Menschen klagen darüber, dass ihnen ein allzu dicht gefüllter Alltag mit seinen zahlreichen Verpflichtungen jegliche Zeit und Muße raubt, die nötig wären, um auch den spirituellen Bedürfnissen der Seele noch ausreichend Raum geben zu können. Umso wichtiger ist es darum, eben in den Aufgaben und Routinen des Alltags selbst immer wieder spirituelle Erfahrungsmöglichkeiten zu entdecken und Gewinn daraus zu ziehen. Für einen Teilbereich des Alltäglichen, den Garten, lädt die Innsbrucker Theologin Elisabeth Rathgeb mit ihrem neuen Buch „Kopfsalat mit Herz“ dazu ein, sich auf eine derartige „spirituelle Entdeckungsreise“ zu begeben.

Einerseits liegt es nun natürlich auch nahe, den Garten mit all seinen Blüten und Früchten, die er hervorbringt, prinzipiell als einen Ort der Dankbarkeit für die Wunder der Natur zu betrachten. Elisabeth Rathgeb zeigt aber mit ihrem schönen Büchlein, dass man über eine generelle Dankbarkeit für die gute Schöpfung hinaus im Garten auch sehr viel mehr und differenziertere spirituelle Einsichten gewinnen kann. Z.B. erinnern sie die Schneeglöckchen, die zu Jahresbeginn noch mitten in Schnee und Eis zum Vorschein kommen, an das Wort des Propheten Jesaja: „Siehe, nun mache ich etwas Neues. Schon sprießt es, merkt ihr es nicht?“ Genau das zeigt sich hier im Garten: Noch im Winterfrost lässt Gott bereits neues Leben entstehen, wir übersehen es nur sehr leicht… Und das veranlasst die Autorin, Fragen an das eigene Leben zu stellen: „Was will jetzt wachsen? Was gilt es zu entdecken? Wofür ist die Zeit reif in meinem Leben? Was will zum Blühen kommen?“

Damit lässt sich auch das Grundprinzip des Buches beschreiben: Bei der Gartenarbeit stößt die Autorin auf Parallelen im religiös-spirituellen Bereich, die sich in einer Schriftstelle, einem Gedicht oder einem Zitat gut zusammenfassen lassen; und ganz ohne große theologische Belehrungen führt die vorgetragene eigene Einsicht weiter zu Impulsfragen, die sich durch das Gartenerlebnis fast wie von selbst ergeben und die wohl jeden Menschen zum Nachdenken über sein Leben bringen können. Und dabei bringen keineswegs nur die Gartenfreuden spirituelle Früchte - so beeindruckt beispielsweise der eigentlich verhasste Giersch, der so schwer zu bekämpfen ist, gerade durch seine Hartnäckigkeit und seine weit verzweigten Wurzeln - und bringt so zum Nachsinnen über die Bedeutung der eigenen Wurzeln, aus denen man lebt und von denen man getragen ist. Und die Kugeldistel fasziniert, weil sich auch etwas so Hartes und Stacheliges wie ihre Knospen zu zarten und wunderschönen Blüten verwandeln können – ein Beispiel dafür, wie auch Kränkungen und Verletzungen durch Vergebung verwandelt werden, Neues aufblühen kann.

Gartenfreunde werden durch diese Ausführungen ihren Garten vielleicht auf einmal mit ganz neuen Augen sehen. Und wer nun keinen Garten hat? Dem ist es zum einen natürlich – gerade im Sommer – auch möglich, in öffentlichen Parkanlagen oder im Wald mit einer gewissen Achtsamkeit für die Wunder der Natur spazieren zu gehen und ähnliche Erfahrungen zu machen. Zum anderen lädt aber das Gartenbuch durch die kluge Vorgehensweise, sich durch die beschriebenen Erlebnisse v.a. zu Fragen anregen zu lassen, auch dazu ein, in ähnlichen Alltagsbereichen selbst öfters einmal Fragen zu stellen und vergleichbare Erfahrungsmöglichkeiten zu entdecken. Insofern weist dieses mit einigen Pflanzenfotos schön illustrierte Buch auch durchaus über den Gartenbereich und dessen spirituelle Dimension hinaus und ist im Grunde für alle Leserinnen und Leser interessant und gewinnbringend.

Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.

 
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