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4. Juni 2021

Fronleichnam - Das Fest seiner Bleibe - 60 Tage nach Ostern

Kommentar zu Fronleichnam von Renée Schmit (6.6.2021)

Mit Dankbarkeit erinnere ich mich heute noch an einen Vortrag des Jesuitenpaters Medard Kehl SJ, der vor Jahren im Rahmen einer diözesanen Fortbildung stattfand. Er, der Professor für Dogmatik und Fundamentaltheologie, erwähnte damals unter anderem sein ehrenamtliches Engagement in einer Behinderteninstitution in Basel, in der es für ihn ein Schlüsselerlebnis gab.
Er erinnerte sich an eine Bewohnerin des Heimes, die ihn bereits nach mehreren Besuchen mit einer Entscheidungsfrage bedrängte: Bleibst du?
Diese Anfrage ließ den Intellektuellen nicht mehr los. Bist du einer der bleibt oder gehst du wieder und lässt uns alleine? Bist du einer, auf den ich mich verlassen kann? Die Frage nach dem Bleiben hat Medard Kehl SJ innerlich erfasst, neu mit dem Kern seines Glaubens in Berührung gebracht. Für ihn wurde klar: Gott ist die Liebe und deshalb bleibt Er bei den Menschen.

Bleibst du?

Bleibst du? Eine Frage, die eine Entscheidung fordern kann und das insbesondere auch nach der Corona-Krise, die die Kirche arg gebeutelt hat. Gerade vor dem Hintergrund, dass sich viele Menschen wegen Covid-19 aus unseren Gottesdienstgemeinschaften zurückgezogen oder sogar verabschiedet haben, stellt sich die Frage, ob wir bleiben oder fernbleiben.

Die gleiche Frage stellt sich ebenfalls im Hinblick auf das liturgische Hochfest „Corpus Domini“, auch Fronleichnam genannt, das 60 Tage nach Ostern begangen wird. Bleibst Du? Was suchst Du? Wen suchst Du? Wenn das Fest an sich Vielen von uns weniger vertraut ist als Weihnachten, Ostern oder Pfingsten, so geht es bei diesem Hochfest im wahrsten Sinne des Wortes um die Gegenwart Christi.
An Fronleichnam feiern wir Christi Bleiben unter uns Menschen. Die Bezeichnung „Fronleichnam“, die uns heute eher sonderbar vorkommt, kommt etymologisch aus dem Mittelhochdeutschen, und bedeutet so viel wie „der Leichnam des Herrn“, denn „Vron“ bedeutet „Herr“ und „licham“ heißt „lebendiger Leib“.

Der Ursprung des Festes führt uns ins 13. Jahrhundert zurück in unsere Nachbardiözese Lüttich, mit der wir geschichtlich besonders eng verbunden sind.
In einer inneren Schau fühlte sich die mystisch begabte Augustinerschwester Julienne de Cornillon von Gott dazu ermutigt, die damalige Kirchenleitung mit der Bitte aufzusuchen, das Fest offiziell einzuführen. Nach vielem Hin und Her und nach langem Ringen und Leiden fand ihr Anliegen Gehör. Zunächst beim damaligen Ortsbischof (1246) und dann unter Papst Urban IV. (1264). Manches spricht dafür, dass es die „selige“ Yolanda von Vianden war, Priorin des Dominikanerinnen-Klosters Marienthal, die das Fest Fronleichnam in unserer Gegend einführte.

Christus bleibt

Wenn wir glauben und bekennen, dass Jesus gestorben, begraben, auferstanden und in den Himmel aufgefahren ist, so wird an Fronleichnam nochmals betont, dass Jesus über seinen Tod hinaus, in den sakramentalen Zeichen von Brot und Wein, die Menschen auf ihrem irdischen Pilgerweg begleitet.
In den konsekrierten Gestalten von Brot und Wein bleibt Er mit uns auf dem Weg. Auch wenn wiederum in diesem Jahr vielerorts die feierlichen Fronleichnamsprozessionen ausfallen, so bleibt das Fest des Leibes und Blutes Christi dennoch bestehen, denn Gott ist die Liebe und somit bleibt er in unserer Mitte. Er bleibt trotz aller Kritik und aller Fragen, die auf die Kirche herunter prasseln. Er bleibt trotz aller Gewalt und Not oder besser gesagt: wegen aller Gewalt und Not. In unseren Kirchen hat Er sein Zelt unter uns aufgeschlagen und lädt uns ein, – gerade auch an diesem „Sonntag der offenen Kirchen“ – wenn auch nur kurz, im Gebet bei Ihm zu verweilen.

Renée Schmit
Bischöfliche Beauftragte für Evangelisierung und diözesane Bildung

 
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