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29. Juli 2019

Tomáš Halík: Theater für Engel. Das Leben als religiöses Experiment

Religiöses Buch des Monats August 2019

Schaut man von außen auf den christliche Glauben, kann einem dieser schon vorkommen wie ein Grundstück, das von einer hohen Hecke umgeben ist. Der Betrachter kann nicht einschätzen, was sich hinter der Hecke verbirgt: ein verfallener Schuppen – oder ein gepflegter Garten? Und wo wäre überhaupt das Gartentor? Der tschechische Theologe Tomáš Halík nimmt in diesem Buch die Heckenschere zur Hand und schneidet denen, die auf der Suche nach einem tragfähigen Glauben sind, einen Weg in diesen Garten frei. Er bezieht sich dabei auf einen Vorschlag, den Kardinal Ratzinger 2005 an „unsere ungläubigen Freunde“ richtete. Wenn es ihnen nicht möglich sei den christlichen Glauben anzunehmen, könnten sie doch den Gedanken der Existenz Gottes als Möglichkeit annehmen und so leben, als ob es Gott gäbe.

Halík setzt sich kritisch zustimmend mit diesem Vorschlag auseinander. Er setzt dabei auf die Analogie zum Theater, wo sich ein Schauspieler ja auch intensiv mit einer Rolle auseinandersetzen muss. Erst wenn er eine Beziehung dazu gefunden hat, kann er (oder sie) diese Rolle überzeugend verkörpern.

In der Auseinandersetzung mit der Religionskritik (vor allem Nietzsche, Freud und Feuerbach) und mit dem Werk anderer Theologen (Dorothee Sölle, Gerhard Ebeling) versucht Halík einen Weg zu bahnen zu einem Glauben, der Gott als Möglichkeit begreift, der dem Glaubenden „einen Raum eröffnet, in dem er vollständig und verantwortlich in der Wahrheit und in der Freiheit leben kann.“ Gleichzeitig betont Halík das Geheimnis Gottes und warnt vor einfachen und einseitigen „Definitionen“ Gottes. Gott gibt es nicht als „Billigware“, sondern nur im Ringen zwischen der Bibel, der persönlichen Glaubenserfahrung und dem unfassbaren Geheimnis seiner Größe.

Damit jedoch ein Suchender den Garten betreten und Gott als Möglichkeit begreifen kann, muss noch eine andere Voraussetzung erfüllt sein, auf die Halík mehrfach zu sprechen kommt. Die Christen müssen den Suchenden „auf Augenhöhe“ begegnen, nicht von oben herab (als solche, die den Glauben bereits „besitzen“), sondern als Pilger, die gleichfalls auf der Suche sind. Denn auch für den Christen bleibt Gott unerschöpfliches Geheimnis.

Wenn man lebt, als ob es Gott gäbe, überlegt Halík weiter, gilt es auch, das Gebet zu entdecken. Beten, sagt er, ist weitaus mehr als ein Gebet zu sprechen. Es bedeutet, das Leben selbst als einen Dialog zu leben, als Antwort auf die Anrede Gottes. „Das Gebet ist jedoch nicht nur eine ‚Schule des Zuhörens‘, sondern auch des Antwortens, es ist auch und vor allem eine Schule der Verantwortung.“

Was Halík auszeichnet, ist sein weiter Horizont, die Tatsache, dass er auch mit den „Atheisten“ das Gespräch sucht und ihre Anfragen in die Entwicklung seiner Position einbezieht. Außerdem hat er die Gabe, theologische Gedankengänge auch für Nicht-Theologen verständlich darzulegen (auch wenn man schon ein gewisses Maß an Konzentration aufbringen muss). Mit seinem Buch ermutigt er Skeptiker und Menschen, deren Glaube unsicher geworden ist, durch das Gestrüpp der Glaubensvorstellungen und Widersprüche einzutreten und im „Theater für Engel“ mitzuspielen.

Als „Religiöses Buch des Monats“ benennen der Borromäusverein, Bonn, und der St. Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.

 
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