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Jahr A (2016-2017)  
27. Mai 2017

Hohepriesterliches Gebet

28.05.2017

Joh 17,1-11a

Und wenn ich geh, dann geht nur ein Teil von mir,
und gehst du, bleibt deine Wärme hier.
Und wenn ich sterb`, dann stirbt nur ein Teil von mir,
und stirbst du, bleibt deine Liebe hier. [1]

Im Johannesevangelium wird deutlich, dass Jesus seine Freunde in vielen Gesprächen darauf vorbereitet hat, dass er bald nicht mehr mit ihnen sein kann, da seine Passion und sein Tod bevorstehen [2].

In dieser Situation sucht Jesus aber auch die Zwiesprache mit Gott. Er betet so wie er es oft und gerne tut. Der Evangelist Johannes berichtet von seinem längsten und letzten Gebet.

Dieses Gebet bezeichnen Theologen auch als „Abschiedsgebet“ Jesu. [3] Viele Menschen sind es gewohnt entweder in der Kirche oder im stillen Kämmerlein zu beten. Wer betet heute noch öffentlich? Ganz im Gegensatz dazu steht das öffentliche Gebet Jesu, das natürlich in erster Linie an den Adressaten, an Gott, gerichtet ist. Doch auch seine Freunde sollen seinen Inhalt erfahren.

Im Gebet zieht Jesus Bilanz seiner Worte und Taten. Er berichtet Gott über sein Werk und zeigt auf, was ihm in seinem Leben wichtig war und welches Ziel er verfolgte. Da er ein öffentliches Gebet spricht, legt er eine doppelte Rechenschaft ab: Seinen Freunden gegenüber und vor allem gegenüber dem, von dem er sich beauftragt weiß und auf den er seine Vollmacht zurückführt.

Einen Teil seiner Arbeit sieht Jesus in der „Verherrlichung“ Gottes. Schaut man auf den Urtext des Johannesevangeliums, so wird deutlich, dass „verherrlichen“ im Griechischen mit „offenbaren“ oder „ehren“ übersetzt werden kann. Jesus hat in all seinen Worten und Werken Gott als den liebenden Gott geoffenbart, der sich den Menschen zuwendet und niemanden außen vorlässt. Außerdem hat Jesus Gott wichtig gemacht, ihm Respekt, ihm Ehre verschafft. Durch sein Beispiel ist es ihm gelungen Menschen zu „Verehrern“ Gottes zu machen, aber nicht in dem Sinn einem Idol nachzulaufen. Wer jemanden richtig verehrt, der nimmt sein Wort ernst und setzt es in die Tat um.

Das und nicht mehr verlangt Jesus von seinen Freunden, damit sie das „ewige Leben“ haben. Aber was ist das „ewiges Leben“? Wann kommt das „ewige Leben“? Wer meint, es sei eine einfache Fortsetzung des irdischen Lebens, den belehrt Jesus. Das ewige Leben beginnt jetzt im Hier und Heute. Es ist keine in einer zeitlichen Reihenfolge zu sehende Fortsetzung, sondern das ewige Leben hat, wer Gott und seinen Gesandten Jesus erkennt. [4]

Wenn die Bibel von „erkennen“ spricht, dann meint sie eine einzigartige und tiefe Beziehung zwischen zwei Menschen oder zwischen Gott und Menschen. Somit hat das ewige Leben mit Beziehung – mit einer Liebesbeziehung zu tun. Durch Jesus entsteht eine innige Gemeinschaft mit Gott. Mit dem Gott, dessen Name (Jahwe) mit „Treue“ und „Liebe“ wiedergegeben werden kann, denn „ich bin immer für euch da“.

Die Freunde Jesu haben durch Jesus Gott erkannt, allerdings werden sie, nach dem Weggang Jesu, biblisch gesprochen, in „der Welt“, zurück bleiben. Sie müssen sich mit all denen auseinandersetzen, die Gott noch nicht erkannt haben. Deshalb bittet Jesus um Schutz für sie [5]. So kann es ihnen auch weiterhin gelingen ihr Leben auf Gott auszurichten und für ihn Zeugnis zu geben, denn in Jesu Freunden wird der Name Gottes aktuell und akut.

Gott und Jesus „verherrlichen“ heißt die Botschaft Jesu weiterführen und „den anderen lieben wie sich selbst“. Ein Glaube, der seinen Inhalt zwar definieren aber nicht umsetzen kann, der ist Selbstbetrug.

„Den anderen lieben wie sich selbst“ – wie einfach ausgedrückt, aber wie schwierig in die Tat umzusetzen. Jeden Tag, einer neuer Versuch, vielleicht fällt es dann, auf lange Sicht gesehen, nicht mehr allzu schwer?

(Quelle: Luxemburger Wort)

[1vgl. Peter Maffay, „So bist du“, 2010

[2vgl. Johannes 13,31 bis 16,33; vgl. Johannes, 17,1

[3Eine andere Bezeichnung ist das „Hohepriesterliche Gebet“, da es an den Hebräerbrief erinnert, in dem Jesus als der endgültige Priester des Neuen Bundes gezeigt wird.

[4Johannes 17,3 „… das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.“

[5vgl. Johannes, 17,11;15

Ruth BACHTLER
 
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