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Jahr B (2017-2018)  
5. Mai 2018

Diagnose und Therapie der Freude

Der Kommentar zum Sonntag von Pater Théo Klein SCJ (6.5.2018)

Joh 15,9-17

Wenn wir die Zeugnisse über die frühen Christen lesen, dann sticht sofort ins Auge, dass die beiden Geschenke auftauchen, die Christus zu seinem Abschied vom irdischen Leben seinen Jüngern hinterlässt: Frieden und Freude. Da, wo die beiden Haltungen von Friede und Freude erlebt werden, wird die Gewissheit des intensiven Glaubensmomentes offenbar, dass der Auferstandene ganz lebendig erfahrbar ist. Der heilige Augustinus kommentiert dieses Evangelium mit folgenden Worten: „Was aber ist die Freude Christi in uns anderes als seine Freude an uns? Und was ist unsere Freude, die nach seinem Worten vollkommen sein soll, anderes als die Gemeinschaft mit ihm? Durch sie werden wir glückselig sein; was im Glauben der Wiedergeborenen beginnt, wird im Lohn der Auferstandenen vollendet.“

Das mit dem Frieden Christi hören wir in jeder Messe im Gebet vor dem Kommunionempfang. Frieden ist wichtig. Wir setzen uns ein für den Frieden. Aber der Frieden, den Christus gibt, ist nicht von dieser Welt. Es ist nicht der Friede, zu dem man mit Verträgen und Vereinbarungen kommt, sondern der Friede, von dem Christus spricht, ist die Übereinstimmung des eigenen Lebens mit Gott. Das ist der tiefste Frieden, den menschliches Leben erreichen kann, weil wir dann teilnehmen an der Heimat, zu der wir unterwegs sind. Und im gleichen Augenblick stellt sich die Freude ein – nicht ein kurzweiliger Spaß oder ein kleiner Witz, über den wir auch einmal lachen – das darf ja auch sein! Aber Freude meint etwas anderes: Es meint die Strahlkraft dieses Friedens, die Übereinstimmung mit Gott, die eine Gelassenheit hervorbringt.

Wenn wir in unsere spaßbesessene, aber freudlose Gesellschaft und auch in unsere verweltlichte Kirche schauen, dann sehen wir, wie notwendig Friede und Freude sind. Zugleich sehen wir die Ursache des Einschleichens der Fried- und Freudlosigkeit in Kirche und Gesellschaft: an der Nichtübereinstimmung mit dem Willen Christi, an der Nichtübereinstimmung mit seinem Wort. Das ist der Wurzelgrund für alles, was dem Frieden und der Freude Christi widerspricht: Unfriede, Spaltungen, Gehässigkeiten, abgelenkt sein von dem Eigentlichen. Bereits der Kirchenvater Cyrill von Alexandrien hat darauf aufmerksam gemacht: „Der Friede ist ein Gut, das von allen empfohlen wird, aber er wird nur von wenigen eingehalten. Was ist der Grund dafür? Vielleicht das Streben nach Macht oder Reichtum, oder Neid, Hass oder Verachtung, oder eine andere Sünde, die wir die Gottlosen begehen sehen. Gottes Friede ist es nämlich vor allem, der alles miteinander verbindet.“

Wenn uns solche Momente geschenkt werden, dass wir ganz im Frieden sind und eine tiefe Freude erfahren, dürfen wir gewiss sein, dass der Auferstandene bei uns ist. Kommen wir uns allerdings wie Getriebene vor, voller Unruhe, freudlos und missmutig, von lähmender Traurigkeit, dann sollten wir uns mehr bemühen, Christus zu bitten, dass er uns das schenkt, was er den Jüngern versprochen hat.

Quelle: Luxemburger Wort

Théo KLEIN s.c.j.
 
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