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Jahr B (2017-2018)  
21. April 2018

Jesus, der gute Hirt

Kommentar zum Sonntag von P. Jean-Jacques Flammang SCJ (22.4.2018)

Joh 10,11-18

Dem guten Hirten liegt etwas an seinen Schafen. Er ist bereit, sich für sie aufzuopfern, ja sogar sein Leben für sie hinzugeben. Jesus hat sich mit einem solch guten Hirten verglichen, der für alle sorgt, die ihm anvertraut werden.

Ein Blick in die Evangelien zeigt einen aufmerksamen Jesus: er sieht die Not der Menschen, er versteht ihre Anliegen, er lehrt sie mit Worten, die Bestand haben, er heilt die Kranken, ermutigt die Verzweifelten und wenn es darauf ankommt, ist er bereit, sein Leben hinzugeben, um Gottes wahre Liebe zu bezeugen.

Den ersten christlichen Gemeinschaften ist nicht das Kreuz, sondern das Bild des guten Hirten eingefallen, um das Wesentliche ihres Glaubens zu veranschaulichen. Jesus ist der gute Hirt, für alle, auch für „die anderen Schafe, die nicht aus diesem Hof sind“. Diese biblische Aussage hat den Missionsgedanken stets beseelt, und trägt auch heute noch dazu bei, dass junge Menschen den Ruf Christi hören und ihm als Hirten und Seelsorger folgen.
Doch einige zeigen sich hier besorgt, denn sie ahnen einen intoleranten Universalismus, oder sogar einen pastoralen Imperialismus, der alle erreichen will und den verschiedenen religiösen und weltanschaulichen Einstellungen nicht die gebührende Unabhängigkeit zugesteht.

Sicher erwartet die Welt heute mehr denn je Toleranz und Respekt, aber sie sehnt sich auch nach Einheit, Frieden und Gerechtigkeit für alle. Unsere Erde ist zum gemeinsamen Haus geworden, wie sie Papst Franziskus in seiner ökologischen Enzyklika Laudato Si’ beschrieben hat, und ein gemeinsames Haus braucht auch eine gemeinsame Hausordnung, soll es sich nicht selbst zerstören.

Entgegen den Befürchtungen ist die christliche Botschaft, die eine gemeinsame Hausordnung sein könnte, kein Hindernis für das Zusammenwirken der Menschen und der Staaten. Im Gegenteil: der Rechtsexperte J.H.H. Weiler hat in seinem Buch „Ein christliches Europa. Erkundungsgänge“ darauf aufmerksam gemacht, dass echte Toleranz weit mehr ist, als schlichte Anerkennung verschiedener Religionen und Weltanschauungen. Echte Toleranz muss imstande sein, kompromisslose Wahrheit auszusprechen, besonders wenn es um das Gemeinwohl geht. Aber diese Wahrheit muss so verstanden und ausgesprochen werden, dass ihre Zurückweisung möglich sein kann.

In diesem Sinne hat Jesus als guter Hirt die Wahrheit in Liebe in die Welt gebracht. Alle, die ihm folgen, dürfen sich deshalb nicht scheuen, diese Wahrheit weiterzugeben, aber so, dass immer ein „Nein“ möglich bleibt. Diesen Auftrag Jesu hat die Kirche heute für die Welt zu erfüllen, neu, am Beispiel ihres guten Hirten orientiert, der allen die Wahrheit in Liebe vorschlägt, aber nicht aufdrängt.

Quelle: Luxemburger Wort

Jean-Jacques FLAMMANG s.c.j.
 
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