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Regard protestant, orthodoxe, israélite  
25. November 2017

„Jesus Christus ist die Alternative zu allem, was sich König nennt“

Regard protestant von Volker Strauss (26.11.17)

Das Kirchenjahr beginnt mit einer feierlichen Aufforderung „Siehe!“. Und auch in den beiden Leitworten der folgenden Adventssonntage finden wir die Worte „Sehet auf!“ und „Siehe“. Also drei Mal zu Beginn des Kirchenjahres die Aufforderung aufzusehen.

Als Kind empfand ich dieses „Siehe“ wie einen silbernen Schnörkel, eine Verzierung, durch die eine gewisse Feierlichkeit erzeugt, durch die aber auch Alles ferner, unwirklicher wird. Als junger Pfarrer versuchte ich, wo es geht, dieses „Siehe“ wegzulassen. Es war mir zu pathetisch. Freilich, eine Übersetzung wie „Schau mal“ ging auch nicht. Sie war zu kumpelhaft, banal.

Heute empfinde ich dieses „Siehe“ als einen sehr nötigen Zuruf: Du, der du dich völlig vergraben hast in deine große Arbeit oder in dein Problem, du der du gefangen bist durch deine Konflikte oder durch die Wunden, die man dir geschlagen hat, du, der du längst nicht wirklich Neues mehr wahrnimmst und dessen Leben ein ewig gleichförmiger Trab geworden ist, sieh auf! Sieh um Gottes Willen einmal weg von dem, was dich total gefangen hält und was dein Leben in die gleichförmige und hoffnungslose Banalität hineinbindet, sieh auf! Und verpass nicht, was an dir geschehen soll. Und siehnicht nur, was dir gilt und was dein Leben verändern kann. Sieh, was das Leben letztlich aller Menschen aus dem Trott des gleichförmigen Vergehens herausreißen und erst wirklich zum Leben machen kann. Winke nicht ab, ohne aufzusehen, du beschäftigter Sklave, sondern: um Gottes Willen, siehe!

Die Alternative zu allem

Dein König kommt zu dir. Wie wäre es wohl wenn, es Bettler geheißen hätte? Wenn den Armen angekündigt würde ein Bettler, einer ihresgleichen? Und doch wendet sich das Evangelium des Erhöhten explizit an die Erniedrigten, die Armen, die Bettler, die ungerecht Behandelten. Wäre es da nicht fast politisch korrekter, den König wenigstens sprachlich zum Bettler zu machen, sachlich würde es doch gut passen? Sollen wir das Wort König tatsächlich durch ein anderes ersetzen, nur weil es nach Märchen klingt, etwa durch das Wort Präsident, weil es in unserer Zeit eben sehr viel mehr Präsidenten als königliche Hoheiten gibt? Würde uns ein anderes Wort als König die Rede von Jesus Christus leichter machen, würde es die Botschaft, das Evangelium für die Armen (und Reichen) besser begreifbar machen? Wie klingt: Siehe hier kommt der Herr Präsident Jesus Christus? Nein, es tutweh, das zu hören. Und es gibt ja in unserer Zeit Könige und königliche Hoheiten, deren Name tatsächlich einen guten Klang hat, nicht wegen der Macht oder des Glamours, sondern wegen ihrer Zurückhaltung gegenüber ihren Parlamenten und Regierungen. Aber sie existieren faktisch von Volkes Gnaden oder auch von Gnaden des Parlaments, dem Sie unterworfen sind. Sie wirken harmlos und unfrei gegenüber dem König Jesus Christus, der seit bald 2000 Jahren in aller Welt Menschen ergreift mit seiner wirklich königlich freien Vollmacht.

ER ist die Alternative zu allem, was sich König nennt oder nennen lässt in Geschichte und Gegenwart.

Zu den prunksüchtigen Königen, die massenweise Menschen für sich einsetzen und hungern ließen, für ihre Kriege verkauften und sterben ließen, damit sie ihre Macht befestigen; wie für die wohl geratenen, gutwilligen und reichlich hilflosen Könige. Auf das Dasein mancher Könige hätte die Menschheit wohl gerne verzichtet, und an die Guten erinnern wir uns bis heute dankbar, doch außer der Erinnerung bleibt uns von diesen nicht viel, schon gar keine Hoffnung für unser eigenes Leben, oder das unserer Kinder, und gerade die Armen haben doch nichts nötiger als Hilfe im Hier und Jetzt und Hoffnung für ihre Zukunft.

Da kommt der Ruf „Siehe, dein König kommt!“ gerade recht. Auf sein Kommen können wir nicht genug hoffen. Er ist der König von Gottes Gnaden, dem Gott selbst zum Sieg verhelfen wird, dem Gott es gelingen lassen wird trotz tiefster Konflikte, trotz bitterster Armut und mitten im Advent erscheint so der österliche Christus, dem Gott aus dem Tod hilft und den er einsetzt zu seiner Rechten – er kann helfen. Sein Helfen können wir dann nicht genug erhoffen. Zwar wird sein Helfen dann anders aussehen, alles wie wir es erwartet haben, und wir tun gutdaran, offen zu bleiben für die oft überraschende Art, in welcher er hilft. Aber es ist keine Frage, dass er kommt, um zu helfen: zur Gerechtigkeit, zum neuen Verstehen, zum Frieden und dazu, dass wir selbst aus Kritikern Tröster, aus Abseitsstehenden aktiv sich Einsetzende, aus oft böse Urteilenden Helfer werden. Helfer denen geholfen wird und die deswegen helfen können.

 
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