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Regard protestant, orthodoxe, israélite  
7. Oktober 2017

Zum Ende der Reformationsdekade

Regard protestant von Karl-Georg Marhoffer (8.10.2017)

Ende Oktober geht die Reformationsdekade ihrem vorläufigen Höhepunkt entgegen, da am 31. Oktober vor 500 Jahren die Reform der Kirche ihren Anfang nahm.

Die Reformation gilt als wichtige Etappe auf dem Weg zur Moderne, zu Demokratie und den Menschenrechten. Die Kulturen verschiedener Länder bleiben ohne Kenntnis der Reformation und der Geschichte der Konfessionen und ihrer Auseinandersetzungen unverständlich. Dabei geht leicht vergessen, dass die Reformation vor allem ein theologisches und kirchliches Ereignis war, wenn auch ein stark von den politischen und gesellschaftlichen Umständen bestimmtes. Für die reformatorischen Kirchen sind 500 Jahre Reformation die Gelegenheit für die Frage, wie die Wahrheit des christlichen Glaubens heute formuliert und gelebt werden kann. Wo liegt der Grund, dass es zum Beispiel reformierte Kirchen gibt? Weshalb wird an verschiedenen Universitäten reformatorische Theologie gelehrt? Ziel ist die erneute Wahrnehmung des Auftrags der Kirche für die Welt.

Worum ging es in der Reformation?

Den Reformatoren erschienen Gott, Mensch und Welt von Gottes Wort her radikal in neuem Licht. Die neue Sicht der Bibel als lebendiges Wort sowie die Betonung der Wichtigkeit der Predigt und der Gemeinde waren dafür die Voraussetzung. Anstoßgebend war jedoch die Gewissheit, dass Gott selbst für sein Wort einsteht. Die enge Verbindung der Theologie mit Kirche und Gesellschaft war folgenreich. Das theologische Nachdenken der Reformatoren führte zu grundlegenden, das religiöse, individuelle, soziale und politische Leben nachhaltig prägenden Unterscheidungen, zum Beispiel von Gott und Mensch, Kirche und Staat. Die heutige Relevanz dieses Denkens zu erweisen, ohne die problematischen Seiten auszublenden, ist eine bleibende Aufgabe.

Als Christ leben

Die Rede vom „gnädigen Gott“ war für Luther, Zwingli und Calvin zentral. Heute ist das Bewusstsein für die Wirklichkeit Gottes nicht mehr selbstverständlich. Heutigen Menschen befreiend und sinnstiftend von Gott zu erzählen, ist für unsere Kirchen die große missionarische Herausforderung. Menschen sollen erfahren: Gott selbst stellt sicher, dass wir vor ihm bestehen können, auch wenn unsere Rechtfertigungen nach biblischem Verständnis nicht ausreichen und wir unserer Verantwortung nicht gerecht werden. Das Gelingen des Lebens und seine Vollendung über die Grenze dieses Daseins hinaus hängt nicht an der eigenen Leistung. Es hängt am Gottvertrauen, das sich der Begegnung mit Jesus Christus verdankt.

Der befreite Mensch, so sagen die Reformatoren, liebt seine Mitmenschen und Gott. Luther sagt dies so: Das rechte Handeln folgt notwendigerweise aus dem fröhlichen Glauben. Was Luther damals meinte, gilt heute umso mehr: neu zur Sprache zu bringen, was „christliche Freiheit“ und „Rechtfertigung“ meinen. Für die Formulierung dieser Kernbotschaften der Reformation helfen neben der Predigt auch andere Kommunikationsmedien: das persönliche Zeugnis, das diakonische Handeln, aber auch die Musik.

Sollen und dürfen

Von der christlichen Freiheit her gilt es immer wieder neu, die Frage zu stellen: Was sollen und dürfen wir als Christen tun? Zwingli zum Beispiel relativierte aus seiner christlichen Freiheit heraus Handlungsnormen wie die Fastengebote der Stadt Zürich. Am Abend des ersten Fastensonntags 1522 traf sich in Zürich eine Gruppe um Zwingli, um gemeinsam Wurst zu essen. Was harmlos klingt, war ein bewusster Vorstoß für die evangelische Freiheit und gegen nicht biblische Sitten und gleichzeitig ein bewusster Verstoß gegen das Abstinenzgebot. Die öffentliche Kontroverse endete mit der Entscheidung des Rates der Stadt Zürich, in der Fastenfrage nur noch gelten zu lassen, was die Bibel dazu erlaube oder verbiete. Mit dem gleichen Vertrauen zu Gott und mit Blick auf die gesellschaftlichen Probleme seiner Zeit stellte Zwingli die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit.

Reformation und Ökumene

Zum Reformationsjubiläum 2017 und dem Nachdenken über die Botschaft der Reformation heute gehört die ökumenische Perspektive dazu. Sonst laufen wir Gefahr zu vergessen, dass es den Reformatoren um die Erneuerung der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche ging. Und wir würden aus den Augen verlieren, dass das Streben nach Einheit der Kirche und die gegenseitige Anerkennung in Vielfalt zu unserem kirchlichen Auftrag gehören! Ökumenischer Gottesdienst in der Kathedrale am 31. Oktober um 19 Uhr!

Der Autor ist Titularpastor der Protestantisch-Reformierten Kirche von Luxemburg, Esch/Alzette.

 
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