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Glawenszeien . Témoins de la foi  
11. August 2017

«All abendlich vor dem Schlafengehen bat er mich auf ‘seines Freundesbett’ neben ihm Platz zu nehmen»

Beitrag zum Gedenktag des Seligen Karl Leisner (12. August 2017)

«Christus ist meine Leidenschaft»: So lautet die Maxime von Karl Leisner. Hier als Simon von Cyrene durch den Künstler Bert Gerresheim im Dom von Münster dargestellt. (Foto: Marc Jeck)

Unter den Gratulanten der einzigen Priesterweihe, die in einem KZ vollzogen wurde, befanden sich zwei luxemburgische Priester: Jos. Keup und Joseph Zeimes. Die beiden im Pfarrerblock 26 im KZ Dachau inhaftierten Geistlichen wurden unmittelbar Zeuge der geheimen Weihe des vom Niederrhein stammenden Karl Leisner durch den französischen Bischof Gabriel Piguet. Der Bischof aus Clermont-Ferrand war Stubengenosse des Luxemburgers Joseph Zeimes, der mit dem Konsekrator von Karl Leisner über Dachau hinaus freundschaftlich verbunden bleiben sollte.

Im Mai 1944 kommt der in Luxemburg geborene Joseph Zeimes (1902-1992) in die Stube 4 des sogenannten Pfarrerblocks. Ein Vierteljahrhundert nach der Befreiung von Dachau wird der unter der Nummer 74779 inhaftierte Priester seine Erinnerungen an die „KZ Liturgie“ niederschreiben. In seinem 200-seitigen Manuskript - Satans Macht im Widerstreit mit dem Providentiellen Walten Gottes. Manuskript über die Verurteilung eines lux. Priesters durch das Sondergericht 3. November 1942 mit all ihren Konsequenzen bis zur Befreiung in Dachau, 29. April 1945 - hat der Luxemburger Dorfpfarrer der gewichtigen Begegnung mit Bischof Piguet einige Seiten gewidmet.

„die Bischöfe haben die Pflicht, zu sprechen, zu warnen, zu protestieren“

Luxemburger Zeuge der «KZ Liturgie»: Porträt von Pfarrer Joseph Zeimes als Häftling im KZ-Dachau. Ein russischer Häftling hat dieses Porträt im Jahr 1944 realisiert. (Quelle: Bibliothek des Priesterseminars in Luxemburg)

«Im Spätherbst 1944 kam Bischof Piguet von Clermont-Ferrand zu uns auf die Stube. Ihm wurde das erste Etagenbett über dem Meinigen zugewiesen. Die Strapazen gemeiner, niederträchtiger Verhöre und der wochenlangen Transportreise hatten den Anfang 60ziger alten Msgr. hart mitgenommen. Vom ersten Tage seiner Ankunft, hatten wir uns angefreundet, umsomehr da kein französischer Bettnachbar in unserem Winkel war. Er hatte wirklich sehr grosse Mühe, auf die 1. Etage zu klettern, sodass ich ihm vorschlug aus Reverenz vor seiner Würde und seinem fortgeschrittenen Alter, unsere Betten miteinander zu vertauschen, d.h. er Unten, ich Oben. - Er war sichtlich erfreut darüber und grüsste mich hinfort: „Ah! mon cher ami!“ All abendlich vor dem Schlafengehen bat er mich auf „seines Freundesbett“ neben ihm Platz zu nehmen, und ihm die letzten Nachrichten um das Kriegsgeschehen, die von aussen hereingesickert waren, von hier und dort, mitzuteilen, und zu kommentieren. Dabei war der Bischof überglücklich, umsomehr seine engsten Untertanen ihn ignorierten. (- inter Confratres!)

In der zweiten Woche seines Aufenthaltes im Lager frug ich Msgr. Piguet, ob er sich damit abgefunden bzw. in etwa eingelebt habe? Ganz aufgemuntert erklärte er mir, dass er froh und zufrieden sei, als „Nachfolger der Apostel“ und „Kirchenfürst“ leiden zu können, weil er für die Menschenrechte und die Rechte der Kirche und der Religion protestiert und eingetreten sei - ebenso habe er auch hier protestiert gegen das unmoralische der sogenannten gemeinsamen Duschen und offenen „Closetts“.

Auf eine 2. Frage, ob es ihm, bei seinem fortgeschrittenen Alter, doch nicht allzu schwer sei, in dieser ständigen Ungewissheit, sagte er: "Es war eine herrliche Zeit, wo die Apostel mit ihrem Blut Zeugnis ablegten für ihren Meister und seine Lehre. Im Laufe der Kirchengeschichte waren es immer glorreiche Perioden, wo die Bischöfe mit ihren Priestern gemeinsam den blutigen Kreuzweg der Verfolgung gingen.

So ähnlich ist es auch heute: die Bischöfe haben die Pflicht, zu sprechen, zu warnen, zu protestieren - „et ne pas suivre l’exemple des mercenaires; - malheur à ces derniers“ - Gewiss ist es leichter die Rolle des „Mietlings“ zu spielen. Glauben Sie mir, fuhr er fort, wenn die deutschen Bischöfe von der ersten Stunde der Verfolgung, das erkannt hätten, dann brauchte es wahrscheinlich nicht so viele KZ zu geben, denn die gemeinsame Kraft der Kirche, der Bischöfe einschliesslich der Gläubigen und ihres Glaubens, hätten diese „braune Pest“ im Keime zunichte gemacht.»

Dann stellte Joseph Zeimes eine dritte Frage über die Konsequenzen «dieser momentanen Unfreiheit»: „Die Bischöfe in aller Welt hätten mit der Ausübung ihres apostolischen Amtes wahrscheinlich in Zukunft noch mutigere Proben zu bestehen“, so die Antwort des französischen Bischofs.

In seinen KZ-Erinnerungen erwähnt Pfarrer Zeimes, der am 5. August 1928 in der Kathedrale von Luxemburg zum Priester geweiht wurde, ebenfalls die Priesterweihe und Primiz Karl Leisners aus dem Bistum Münster – der einzigen Priesterweihe, die in einem KZ stattfand.

Leisners Priesterweihe „Höchste Freude und größte Ehre für das Lager“

Über den denkwürdigen 17. Dezember 1944 berichtet der Luxemburger Zeitzeuge: «Diese durch die Vorsehung bedingte und gewollte „Gottesbegegnung“ mit Msgr. Gabriel Piguet sollte für ihn selbst, kraft seiner Würde als Kirchenfürst und Nachfolger der Apostel, von dieser Apostelgewalt Gebrauch machen zu dürfen durch Spendung der Priesterweihe an den seit 5 Jahren gefangenen und sehr kranken Diakon Karl Leisner - Höchste Freude auf beiden Seiten - grösste Ehre für das Lager und alle inhaftierten Priester.

Am Feste des hl. Stefanus (26. Dezember), Erzmartyrer, war dann die Primizmesse in der Lagerkaplle. Bald darauf holte der Ewige Hohepriester den todkranken Neopresbyter Karl Leisner zu sich in die Ewige Herrlichkeit, wo es weder Leid noch Tränen gibt.

Von diesem „Martyrerpriester“ gilt das Sprichwort: „Früh vollendet, hat er viele Jahre erreicht!“ R.I.P.», so der Wortlaut von Joseph Zeimes in seinem Manuskript.

Nach der Befreiung des KZ Dachau wird Joseph Zeimes seinen KZ-Bruder aus Clermont-Ferrand fünf Jahre später in Luxemburg wiedersehen.

«In liebevoller Erinnerung und Dankbarkeit für die ihm erwiesene Aufmerksamkeit in grösster Not und Verlassenheit beehrte Msgr. Piguet seinen „cher ami“ mit seinem Besuche gelegentlich der Jahrtausendfeier im luxemburgischen Lenningen am 2. Juli 1950, wo er das Monument aux Morts einsegnete. Für ihn hatte das Wort „Confrater“ noch einen wahren, tiefen Sinn. Für ihn war es keine Oberflächlichkeit. „Noblesse oblige!“.»

Diese letzte Begegnung mit dem französischen Bischof fand also an Zeimes Wirkungsstätte in Lenningen statt. Es war ein besonderes Fest – das Millennium der Kirche von Lenningen, wo ein einfacher Priester im Weinberg des Herrn den Bischof der Versöhnung Piguet begrüßen konnte. Auch die Großherzogin Charlotte nahm an der Feier vom 2. Juli 1950 im beschaulichen Lenningen teil.

«In französischer Sprache wendet sich der Luxemburger Bischof Léon Lommel an den Bischof von Clermont-Ferrand. Ein nicht so froher Anlaß, so erwähnt der Prediger, habe den Bischof von Clermont-Ferrand vor Jahren mit den Luxemburgern verbunden. In nazistischer Gefangenschaft, im KZ Dachau hätten die Luxemburger, unter ihnen auch Herr Pfarrer Zeimes, ihn kennengelernt. Heute sei er gekommen, um mit seinem ehemaligen KZ-Bruder das schöne Fest der Jahrtausendfeier der Dorfbasilika von Lenningen zu feiern. Zwar könne Luxemburg sich nicht der stilvollen Kirchen Frankreichs rühmen, die er, Mgr. Lommel, während seines Exils im gastlichen Nachbarlande nicht genug habe bewundern können, doch gibt er der Ueberzeugung Ausdruck, daß die Gotteshäuser unserer beiden Länder monumentale Zeugen des unerschütterlichen Glaubens ihres Volkes darstellen, wozu nicht zuletzt die 1000-jährige Peterskirche von Lenningen bestes Zeugnis ablegt. Bei Gelegenheit dieser Feier aber möchte er Mgr. Piguet Rendez-vous geben für die Einweihung der großen Basilika unseres Nationalheiligen, des hl. Willibrord in Echternach », so schreibt das Luxemburger Wort. Allerdings kann der Bischof, der 1952 das Zeitliche segnen wird, der Einladung nach Echternach nicht mehr Folge leisten.

Am 12. August 1945 starb Karl Leisner, der 1996 von Johannes Paul II. selig gesprochen wird. Der Märtyrer, der Christus als «Geheimnis der Kraft Europas» bezeichnete, hat Johannes Paul II. der europäischen Jugend zum Vorbild gegeben.

Marc JECK
 
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