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Begriefnespastoral . Pastorale des funérailles  
31. Oktober 2016

Neue Wege in der Trauer- und Begräbnispastoral

Erzbischof Jean-Claude Hollerich erteilte 19 Ehrenamtlichen eine kirchliche Beauftragung im Rahmen der Begleitung von Trauernden und der Bestattung von Verstorbenen

Angesichts der Tatsache, dass bei zunehmendem Priestermangel sehr viele Menschen beim Tod ihrer verstorbenen Familienmitglieder auf die Dienste der katholischen Kirche zurückgreifen (in Luxemburg gab es im Jahr 2015 2.878 kirchliche Beerdigungen) sieht sich die Trauerpastoral vor neue Herausforderungen gestellt. In vielen Bistümern, vornehmlich aus dem französischsprachigen Raum, gibt es bereits seit langen Jahren eine Rückbesinnung auf die urchristliche Praxis der Bestattung von Verstorbenen durch Mitglieder der eignen Glaubensgemeinschaft. Aufgrund ihrer Taufe und Firmung leiten dafür speziell ausgebildete und beauftragte Laien Beerdigungsfeiern und Wortgottesdienste. Sie sind die Ansprechpartner für die mit einem Todesfall Betroffenen, sie führen das Trauergespräch, helfen bei Fragen zur Organisation der anstehenden Trauerfeiern und bereiten die Gottesdienste (gegebenenfalls auch mit den Angehörigen) vor. Im Regelfall werden diese Aufgaben nicht von Einzelpersonen sondern von einem Team übernommen, zu dem neben den ehrenamtlichen auch hauptamtliche Laien gehören können.

In der Erzdiözese Luxemburg wurde 2014 mit der Ausbildung von Ehrenamtlichen im Bereich der Trauer- und Begräbnispastoral in der Luxembourg School of Religion & Society (Centre Jean XXIII) begonnen. Die Teilnehmer wurden von ihren jeweiligen Pastoralteams für diese Ausbildung vorgeschlagen. Damit sollte sichergestellt werden, dass nur Personen für diesen sensiblen pastoralen Bereich in Frage kommen, die über die nötigen Grundvoraussetzungen verfügen. In zwölf ganztägigen Modulen wurden die Verkündigung der christlichen Hoffnung und der Umgang mit dem Tod aus verschiedenen theologischen und praxisrelevanten Perspektiven erarbeitet. Die Ehrenamtlichen wurden während ihrer zweijährigen Ausbildungszeit von ihrem jeweiligen Pfarrer bzw. einem Mitglied des Pastoralteams aus ihrem Pfarrverband begleitet. In theoretischen und praktischen Einheiten wurden die Teilnehmer in den Umgang mit Tod und Trauer, das Führen eines Trauergesprächs und die Vorbereitung und Durchführung der verschiedenen Liturgieformen eingeführt.

Die nun beauftragten Laienhelfer, darunter auch 4 Ordensfrauen, werden ihren Dienst in 6 verschiedenen Dekanaten (Bettemburg, Ospern, Grevenmacher) und Pfarrverbänden (Bonneweg-Hamm-Sacré-Cœur, Ettelbruck, Hesperingen) verrichten. Erste praktische Erfahrungen haben gezeigt, dass die Familienangehörigen die persönlich gehaltene Begleitung und Gestaltung der Trauerfeiern durch die Ehrenamtlichen sehr zu schätzen wissen. Im konkreten Fall kann der Einsatz der Laienhelfer unterschiedlich gestaltet sein. Die Beauftragten können der Beisetzungsfeier auf dem Friedhof vorstehen und anschließend einen Wortgottesdienst in der Kirche leiten. Wünscht die Familie explizit eine Messe, wird diesem Wunsch entsprochen und die Teammitglieder bringen sich darin durch eine Ansprache, Lesungen, Fürbitten usw. ein. Für die 19 Frauen und Männer mit einer bischöflichen Beauftragung sind Supervisions- und Weiterbildungskurse vorgesehen. Ein neuer Ausbildungskurs ist für September 2017 geplant.

Leo Wagener

Zurück zu einer Kultur von Gemeinschaft

Drei Fragen an Erzbischof Jean-Claude Hollerich zum Einsatz von ehrenamtlichen Laien in der Begräbnispastoral

In einer Zeit, in der die Kirche sich auf unterschiedlichen Ebenen in einem strukturellen Wandel befindet, bleiben die pastoralen Herausforderungen bestehen, besonders auch im Bereich der Begräbniskultur, wo die Kirche in ihrem Dienst an den Menschen noch sehr oft angefragt wird. In vielen Nachbarbistümern liegt die Begräbnispastoral deshalb bereits nicht mehr ausschließlich in den Händen der Priester, Diakonen oder Hauptamtlichen, sondern auch ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden nach einer spezifischen Ausbildung vom Ortsbischof für die Begräbnispastoral beauftragt.

So wurden auch in der Erzdiözese Luxemburg am vergangenen Sonntag 19 Frauen und Männer aus verschiedenen Dekanaten des Landes nach einer zweijährigen Ausbildung in einer offiziellen Entsendungsfeier vom Bischof mit dem Dienst der Begräbnispastoral beauftragt. Über den Einsatz von so genannten „Équipes de funérailles“ sprachen wir mit Erzbischof Jean-Claude Hollerich.

Welche Rolle hat die christliche Gemeinschaft seit ihren Anfängen im Umgang mit den Toten und deren Angehörigen?

Erzbischof J.-C. Hollerich: Der Tod wurde immer schon in Bezug zur Gemeinschaft gesehen. Auf vielen Gräbern steht heute noch „in pacem“ – in Frieden, wie wir es heute interpretieren. Im Grunde aber stand das Wort „pax“ für das griechische Wort „koinonia“, Gemeinschaft. Ruhe in der Gemeinschaft der Kirche, der Kirche jener, die heute noch leben und jener, die bereits verstorben sind. Schon in der frühen christlichen Gemeinschaft sehen wird, dass die Kirche Friedhöfe angelegt hat, rund um die Märtyrergräber in den Katakomben, und Sorge für ihre Toten getragen hat. Der einzige Unterschied zu den Römern war, dass die Christen am Jahrestag des Verstorbenen am Grab Eucharistie gefeiert haben. Später, in der karolingischen Zeit, finden wir dann die typischen Friedhöfe rund um die Kirche, die das Zentrum des Dorfes darstellte. Neue Dörfer sind um Kirche und Friedhof entstanden als Zeichen einer sichtbaren Gemeinschaft. Heute müssen wir angehen gegen den Trend der postmodernen Gesellschaft alles zu individualisieren, auch den Tod. Wir müssen zurückfinden zu einer Kultur von Gemeinschaft.

Was hat Sie dazu bewogen, neue Wege in der Begräbnispastoral einzuleiten und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für den Dienst der Begräbnispastoral zu befähigen und zu beauftragen?

Erzbischof J.-C. Hollerich: Mittelfristig wird die Zahl der Priester im aktiven Dienst von 60 auf 30 zurückgehen. Es wäre schade, wenn die Priester den Großteil ihrer Zeit damit verbringen würden, Begräbnisse zu halten, da diese Verantwortung auf die Dauer zu belastend ist. Geistliche sollten heutzutage wieder freier werden, um das Evangelium zu verkünden und im Dienst der Gemeinschaft missionarisch zu wirken. Da es den Gemeinschaftscharakter beim Sterben, beim Tod und beim Begräbnis immer schon gab, ist dies eine gute Gelegenheit, diesen Charakter im neuen Konzept der Begräbnispastoral zu unterstreichen und somit zu betonen: „Es sind unsere christlichen Gemeinschaften selber, die sich um die Verstorbenen kümmern und um die Trauernden, die sich Zeit für sie nehmen. Das ist der Auftrag einer christlichen Gemeinschaft.“

Was wünschen Sie als Bischof für die Zukunft der Begräbnispastoral und den Einsatz von so genannten „Équipes de funérailles“ in Hinsicht auf größere pastorale Räume in unserer Erzdiözese?

Erzbischof J.-C. Hollerich: Ich wünsche mir, dass diese Initiative in vielen neuen Pfarreien aufgegriffen wird. Es ist eine Chance, wenn trotz größerer pastoraler Räume nicht alles zentral verwaltet wird, sondern lokal lebendige Gemeinschaften bestehen bleiben, die ihren Glauben feiern und sich unter anderem auch um die Verstorbenen und die Trauernden kümmern. Das ist ohne Zweifel ein Schritt in die Zukunft, nicht allein aus einem Mangel an Geistlichen heraus, sondern um der Lebendigkeit der lokalen Gemeinschaften Willen, wo Getaufte und Gefirmte ihre Verantwortung wahrnehmen. Als Bischof bin ich mir bewusst, dass dies eine große Herausforderung mit sich bringt. Es wird wohl nicht immer einfach sein, man wird mit alten Gewohnheiten, Unzufriedenheit und Ängsten umgehen müssen. Aber die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind gut vorbereitet und haben auch in ihrer Ausbildung und im praktischen Einsatz bereits eine sehr positive Resonanz erfahren von Menschen, die sich in ihrer Trauer gestützt und begleitet fühlten, so dass ich vollstes Vertrauen in die Kompetenz der neuen „Équipes de funérailles“ habe. Nutzen wir diese Chance und stellen wir uns gemeinsam diesem neuen pastoralen Projekt.

Mäi kierchlecht Engagement am Déngscht vu Mënschen an der Trauer ass mir ganz wichteg ginn - 4 kuerz Témoignagen

Et ass mir als gleeweg Familljemamm ee grousst Uleies, Schéines a Schwéieres aus mengem Glawen eraus mat Gott ze deelen. Mäi kierchlecht Engagement am Déngscht vu Mënschen an der Trauer ass mir ganz wichteg ginn. Als Member vun enger „Équipe de funérailles“ wëll ech dëse Mënschen no sinn, hinne nolauschteren a mat hinnen de leschten „ADIEU“ feieren.

Albertine Boonen,
Member aus der „Équipe de funérailles“,
Dekanat Ospern

 
 

Eis Doudeg ze begruewen, gehéiert fir mech zu de Wierker vun der Baarmhäerzegkeet, fir déi mir als Chrëschten een Optrag hunn. Als fréiere Scout läit dëst Engagement an der Kontinuitéit vu menger Devise „Ech déngen“.

Ed Welfringer,
Member aus der „Équipe de funérailles“,
Bouneweeg/Hamm/Sacré-Coeur

 
 

Nom Motto „Gemeinden bestatten ihre Toten“ huelen an Zukunft 19 Fraen a Männer, no enger zweejähreger Ausbildung méi eng grouss Verantwortung an der Begriefnespastoral. Hiert Engagement an hiren Déngscht sinn Hoffnungszeechen an enger Kierch, déi no neie pastorale Weeër sicht.

Renée Schmit,
Member aus der „Équipe de pilotage“ vum Projet,
Service de la Pastorale

 
 

Eis Pargemeinschaften hu sech zu ëmmer méi groussen a komplexen Unitéiten entwéckelt. D’Zäiten, wou sech ee Paschtouer ëm déi pastoral, liturgesch a sakramental Aufgaben an enger Par gekëmmert huet, sinn eriwwer. A ganz ënnerschiddleche Beräicher vun der Pastoral klappt d’Teamaarbecht, d’Zesummenaarbecht tëscht haaptamtlechen a benevole Mataarbechter, tëscht Kleriker a Laien, tëscht Männer a Fraen scho ganz gutt. Firwat also net och am Déngscht vun eise léiwe Verstuerwenen a vun hire Familljen an Trauer?

René Schumacher,
Haaptamtleche Mataarbechter
aus der Pastoraléquipe Beetebuerg-Hunchereng

 
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