Von den Sterndeutern lernen
Kommentar zum Dreikönigstag - Sr Danièle Faltz (04.01.2026)
Das Evangelium vom kommenden Sonntag erzählt die Reise der Sterndeuter nach Bethlehem. Die christliche Tradition hat diese Erzählung ausgemalt und viele von uns haben ganz konkrete Bilder vor Augen: aus dem Orient kommen drei Könige in vollem Ornat, einer ist Afrikaner, der andere eher Inder, der letzte vielleicht Europäer. Sie heißen Caspar, Melchior und Balthasar. Sie reiten auf Kamelen, folgen einem Stern, knien dann vor dem Kind in der Krippe und überreichen ihm Geschenke.
Dies kein historisches Ereignis, sondern eine Erzählung, deren theologischer Sinn es zu ergründen gilt. Da diese Geschichte im Evangelium zurückbehalten wurde, dürfen wir davon ausgehen, dass sie auch für uns und für heute eine Botschaft enthält.
Die erste Botschaft ist klar: auch Fremde haben Zugang zu Jesus, dem Christus, sie gehören dem Volk Gottes an, genau wie die Juden. Jahrzehntelang nach dem Osterereignis ist das noch nicht selbstverständlich. In den letzten Sätzen seines Evangeliums kommt Matthäus nochmals darauf zurück, wenn er Jesus zitiert: “Geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern”( Mt 28,19). Deshalb heisst das Fest „Erscheinung des Herrn“. In diesem neugeborenen Kind und im späteren Wirken Jesu wird Gott erfahrbar für alle Menschen, die sich auf Jesus einlassen.
Die Sterndeuter waren aufgeschlossene Menschen, fasziniert von der Größe und Schönheit des Universums. Ein neuer Stern war ihnen aufgefallen. Sterndeuter sind suchende Menschen. Sicher ahnten sie, dass die Schöpfung auf den Schöpfer hinweist. So wurde der neue Stern für sie zum Zeichen des Aufbruchs.
Auch wir sind Suchende, von ihnen können wir lernen, uns immer wieder neu auf den Weg zu machen; nicht allein, sondern wie sie, in einer kleinen Gruppe. Wer ehrlich nach Gott sucht, braucht die Geschwisterlichkeit, sie ist zugleich Ansporn, Richtung weisend und Prüfstein gemeinsamer Bemühungen.
Wie die Sterndeuter den neuen Stern als Zeichen erkannten, so können auch wir die Zeichen Gottes in unserem Leben und in unserer Welt deuten. Dafür braucht es auch die Gemeinschaft. Wir lesen kaum noch in den Sternen, können aber durchaus einen Hinweis entdecken in einem guten Buch, in einer erfreulichen Begegnung, in einem ehrlichen Ausstausch oder in einer Situation, die uns herausfordert. Jedesmal wenn wir angetrieben werden in unserem Suchen nach Sinn und nach Gott, jedesmal wenn wir uns bedürftig und schwach erleben, sollten wir den Aufbruch nicht verzögern.
So kamen sie nach Jerusalem und stellten fest, dass ihre Frage nach dem neugeborenen König der Juden bei Herodes und in ganz Jerusalem Panik auslöste. Welcher König möchte schon im eigenen Land Konkurrenz haben? Herodes schickt die Sterndeuter nach Bethlehem, denn laut dem Propheten Micha soll dort ein Fürst geboren werden. Heimlich beauftragt er sie, das Kind zu finden und ihm zu berichten.
Sie folgten wieder dem Stern und finden das Kind und seine Mutter. Sie haben nach dem Schöpfer Gott gesucht, und finden ein neugeborenes Kind. Wehrlos, sprachlos, in allem abhängig von seinen Eltern. So ist unser Gott. Diese Einfachheit, diese Menschlichkeit überwältigt sie. Ihre Geschenke haben symbolischen Charakter: Gold als bleibenden Wert, Geschenk an den König, Weihrauch als guten Duft, zur Ehre Gottes und Myrrhe als Heilmittel und Hinweis auf die Salbung im Tod.
Die Sterndeuter sind nicht auf den Plan des Herodes hereingefallen. Durch ihre Begegnung mit dem Kind wurden sie verändert, sie änderten auch ihre Pläne und nahmen einen anderen Weg. Wer Christus wirklich begegnet, nimmt einen anderen Weg, den Weg der Liebe. Dieser Weg hat Jesus ans Kreuz geführt. Dieser Weg verlangt auch von uns immer wieder das Loslassen von uns selbst und die Hingabe an Gott und die Menschen.