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„Die Kunst, die Eltern zu enttäuschen …“

Sonntagskommentar zum 6. Sonntag im Lesejahr A - Christine Bußhardt, Pastoralreferentin (15.02.2026)

war mein erster Gedanke, als ich den Worten Jesu aus dem Evangelium dieses Sonntags versucht habe nachzuspüren. Sechsfach wiederholt er in der sogenannten Bergpredigt formelhaft: „Den Alten wurde gesagt, … ich aber sage euch …!“

Entsprechend des Untertitels des zitierten Buches von Michael Bordt, zeugen diese Worte Jesu von seinem „Mut zum selbstbestimmten Leben“.

Jesus zieht Bilanz: Das, was gläubigen Juden, „den Alten“ seiner Zeit, als Handlungsrichtlinien vertraut und selbstverständlich war, muss im Geist Gottes für die Menschen neu und vor allem punktgenauer zur Sprache gebracht werden.

Er setzt den Rotstift an den überlieferten Traditionen an und formuliert seine Botschaft vom Reich Gottes schonungslos und radikal neu.

Da ist die Rede von Gottes anspruchsvoller Gerechtigkeit, von ehrlicher Versöhnung, von endloser Treue und von unverstellter Aufrichtigkeit. Hart geht Jesus mit denen ins Gericht, die ihr Handeln allein am geschriebenen Gesetz ausrichten.

„Wenn eure Gerechtigkeit nicht weit größer ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.“ (Mt 5,17.20).

Nach den hoffnungsvollen Verheißungen zu Beginn seiner Rede, den berühmten Seligpreisungen, wirken diese Worte wie eine kalte Dusche, die jeden Schwärmer wieder zurück in die Realität des Lebens zurückholt.

Nichts für Feiglinge und Unentschlossene

Matthäus entwirft von Jesus zu Beginn seines Wirkens ein Bild eines Predigers, der mit harten Worten um sich wirft und fordernd seine Botschaft unter die Menschen bringt.

Das erzeugt viel Aufmerksamkeit bei seinen Lesern und Zuhörern, die mehrheitlich aus dem Kreis der sogenannten Judenchristen stammten. Sofort erinnert man sich an den Satz aus dem 12. Kapitel: „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich.“

Die Texte machen deutlich: Hier ringt jemand um die Wahrheit. Matthäus versucht das Leben und die Botschaft Jesu in Worte zu fassen. Er beschreibt, was sein Herz fühlt, was sein Glaube ihm sagt und wozu der Geist Gottes ihn berufen hat.

Wenn Worten Taten folgen

Drei ganze Kapitel widmet der Evangelist den Worten Jesu mit der sogenannten Bergpredigt. Im Anschluss daran folgen mehrere Kapitel, die mit Erzählungen von Wundern und außergewöhnlichen Begegnungen gefüllt sind.

Hier erfährt der Leser nicht nur wie Jesus spricht, sondern besonders wie er lebt und an den Menschen handelt. Viele Erzählungen enden mit einer Glaubensformel, die wie Leitplanken das Denken und Verstehen der Hörenden lenken sollen.

In der Krise liegt die Chance

Der Glaube muss sich immer wieder bewähren in Worten und Taten. Dazu rufen uns die Worte der Bergpredigt auf. Im Einzelnen betrachtet, lösen jedoch manche Sätze heute wie damals Befremden aus. Wie sind diese zu deuten und wie kann man damit umgehen?

Letztlich gibt auch das Matthäus-Evangelium den entscheidenden Hinweis, von dem her alles, was Jesus über Gott sagen wollte, gesehen und gemessen werden muss: Mit der Beantwortung der Frage nach dem wichtigsten Gebot, mit dem Gebot der Gottes- und Nächstenliebe und der Zusage „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“, fasst Matthäus am Ende des Evangeliums zusammen, woraufhin die Botschaft vom Reich Gottes eigentlich zielt.

Um das alles im engen Zusammenhang sehen und verstehen zu können, muss man das ganze Evangelium einmal am Stück gelesen haben. Ich kann diese Lektüre jedenfalls nur empfehlen.

 

 

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