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Wie das Hören auf die Stimme des Guten Hirten gelingen kann

Kommentar zum 4. Ostersonntag Jahres A - P. Theo Klein scj (26.04.2026)

Jeden Tag hören wir unendlich viele Stimmen in den Ohren und im Kopf. Das Ergebnis ist, dass wir von diesem Stimmengewirr, Meinungen und Äußerungen, die uns regelrecht überschwemmen, verwirrt werden. Und dann lesen wir im Evangelium, dass es darauf ankommt eine einzige Stimme zu identifizieren, nämlich die Stimme des Guten Hirten, der von sich sagt. „Ich bin die Tür“. Diese Tür, die uns hineinlässt zu Gott, in das innerste Geheimnis.

Es mag viele Wege geben, die vor die Tür führen, aber eintreten kann man nur durch diese eine Tür. Wie findet man diese Tür? Wie gelingt das? Das Evangelium spricht eine klare und deutliche Sprache, nämlich indem man diese Stimme des Guten Hirten kennt. In dem ganzen Stimmengewirr, das auf uns einströmt und überflutet, ist das alles Entscheidende, diese Stimme zu identifizieren.  Das klingt alles schön und gut – und auch fromm. So könnten wir ja dann sagen, wir hören auf diese Stimme und alles ist in Ordnung. Aber so einfach ist das nicht.

Die Frage ist, wie wir das machen, um auf die Stimme Jesu zu hören. Auch wenn wir innerkirchlich auf unsere vielfache Ratlosigkeit schauen und anschauen wie viele Privatoffenbarungen herumgereicht und kopiert werden, die wie Pilze aus dem Boden schießen, dann ist das immer ein Zeichen für eine Krise. Dahinter steckt eine große Sehnsucht, aus diesem ganzen Stimmengewirr und Durcheinander von widerstreitenden Meinungen und Publikationen endlich die endscheidende Stimme zu hören. Für uns Christen liegt hier ein Aufgabenfeld. Wenn das das Wichtigste ist, wie Jesus im Johannesevangelium sagt, dann müssen wir lernen, wie wir die Stimme des Guten Hirten erkennen können. Wie geht das? Nicht um sich selbst kreisen. Wenn man um sich selbst kreist und auf einem religiösen Egotrip verharrt, ist man nicht fähig „die Antwort auf ein Wort, das eine persönliche Anrede ist, auf ein Du, das uns bei unserem Namen ruft“ (Franziskus, Lumen fidei 8) zu geben. Dann antwortet man nicht auf das Wort Gottes, sondern ist sich selbst das Wort. Es ist schon viel, wenn wir die Evangelien lesen – nicht nur lesen, sondern auch hören. So lernen wir bei den Kirchenvätern und Wüstenväter eine Technik, laut zu lesen. Das ist etwas sehr Gutes, weil man die Evangelien nicht nur mit den Augen liest, sondern zugleich auch mit den Ohren hört. Von daher ist es eine gute Übung die geistlichen Texte, allzumal die Texte der Heiligen Schrift für sich laut zu lesen, weil wir sie mit den Augen lesen und mit den Ohren hören. Dadurch merken wir sie uns besser. Wir lernen die Stimme Christi zu identifizieren.

Es ist nicht nur mit den Evangelien getan. Die Kirchenväter waren der festen Überzeugung, wenn man die Psalmen kennt, darin die Stimme Christi hört.  In den Psalmen erklingt die Stimme Christi, die bittet, lobt und dankt. Und es ist die Stimme der Kirche. Wir beten die Psalmen entweder mit Christus oder zu Christus. Es geht darum die Stimme Christi kennenzulernen und identifizieren. Das war für alle Christen immer das Wichtigste, aber es ist für uns besonders dringlich. Die Kirchenväter ermutigen uns, Christus in allen Psalmen zu suchen und zu finden, da die Psalmen inspiriertes Wort Gottes sind, die von dem lebendigen fleischgewordenen Wort in Jesus Christus neu gedeutet werden muss. Es geht immer um die Stimme des Guten Hirten, der Jesus Christus heißt. Die Kirche hat keinen anderen siegreichen Hirten, der sich für uns hingegeben und glorreich auferstanden ist.

Das Gebot der Stunde in der Kirche besteht darin, auf die unterschiedlichen Meinungen und auf diesen oder jenen Kommentar (auch auf meinen) und in den sozialen Netzwerken mit Klugheit zu differenzieren, um nicht die eigenen Ideen als Glaubenswahrheiten zu präsentieren, die weit von der Offenbarung entfernt sind. Natürlich verlangt der Glaube die innere Erfahrung, aber der Glaube geht weit darüber hinaus, denn er gründet auf der Offenbarung Jesu Christi. Es geht darum, die Stimme des Guten Hirten zu erkennen. Diese Stimme ist ein Licht, damit wir „das Leben haben und es in Fülle haben“. Dazu möchte uns auch die Oktavpredigerin Marie- Christine Ries mit dem diesjährigen Thema „ Mënsch sin,  elo an hei“ den Horizont zum wahren Leben erschließen. Letztendlich geht es darum, dass wir uns nicht im kleinkarierten Denken, Sprechen und Handeln verlieren. Vergessen wir nicht in der Stimme eines liebenden Menschen und im Notschrei nach Liebe die Stimme des guten Hirten zu überhören. Jesus, der gute Hirte par excellence, beruft uns für andere guter Hirte, Tür und Türhüter zu sein.

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