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Am Anfang des Denkens: der Schrecken?

Kommentar zum 16. Sonntag im Jahreskreis A - Jean-Marie Weber (19.07.2026)

Für die Griechen stand am Anfang des Denkens das Staunen. Für uns Menschen der Moderne ist es oft der Schrecken, der uns zum Denken bringt. (Heidegger) Angesichts der derzeit spürbaren Folgen der Klimakatastrophe breiten sich Angst, Wut und Schrecken aus. Auch andere Bedrohungen fordern uns heraus: Kriege, wirtschaftliche Machteliten, Hungersnöte, politischer Extremismus und Desinformation. Ist unsere Welt aus den Fugen geraten? Ist etwa die Hölle los?

Auch die Gemeinde, an die sich das Matthäusevangelium um das Jahr 90 wandte, war tief verunsichert. Was bedeutete die Zerstörung Jerusalems und des Tempels? Wie kann man Jesus als den definitiven Messias anerkennen, wenn selbst die Mehrheit der Juden ihrem Landsmann nicht nachfolgen will? Warum sollte man sich für „Heiden” öffnen, die keinen Bezug zu einem monotheistischen Gottesbild haben? Riskiert eine solche Öffnung nicht einen Rückfall in den Polytheismus oder «Relativismus»?

Matthäus kontert mit Gleichnissen, die von Hoffnung und der Offenheit Jesu zeugen. Ihre Interpretation fällt jedoch nicht leicht. Denn allzu schnell riskieren in Moralismus, Dualismus und letztlich in die Verurteilung von Mitmenschen zu verfallen. Das kann schnell zur Exklusion und zur Verfolgung führen.

Schauen wir uns den Text doch einmal genauer an: Wenn wir unsere ganze Aufmerksamkeit und Energie darauf verwenden, das Unkraut im Blick zu haben und es auszureißen, kann das großen Schaden anrichten. Geduld und Achtung vor Vorurteilen sind also gefragt. Aus dem Affekt heraus sollten wir weder schnell urteilen noch handeln. Wer weiß schon, wer zum Weizen und wer zum Unkraut zählt? Und sind wir nicht alle zumindest teilweise sowohl Unkraut als auch Weizen? Sind wir nicht alle gespalten zwischen Wissen und Nichtwissen, Liebe und Hass, Askese und Konsumlust?

Wenn der mythische Text uns sagt, dass der Menschensohn die Engel aussendet, um eine Auswahl zwischen Gut und Böse zu treffen, dann zeigt das, dass die „göttliche Perspektive” uns Menschen hier vor allem davor bewahren möchte, uns selbst und unsere Urteilskraft zu überschätzen. Insofern sind solche mythischen Bilder von unschätzbarem Wert.

Rechthaberisch bilden wir uns ein, alles zu wissen und im Griff haben zu müssen. Unser Leben ist jedoch immer mehr, als wir uns einbilden. Wenn wir alles kontrollieren wollen, riskieren wir, dem Leben seine Dynamik zu nehmen. Ähnliches geschieht, wenn wir das Verhalten unserer Mitmenschen dauernd im Blick haben und unbedingt verändern wollen. So kann sich ein Teufelskreis von Hass und Gegenhass entwickeln. Letztlich hat uns dann das Böse im Griff! In diesem Sinne hat mir beispielsweise jemand erzählt, dass ihn seine Eifersucht nicht loslässt. Solche Aggressivität dürfen wir nicht verdrängen. Entscheidend ist, unsere zerstörerische Energie zu transformieren und sie für das Gute zu nutzen. Gegebenenfalls sollten wir auch der Frage nachgehen, warum wir uns selbst masochistisch wehtun. Warum blockieren wir uns ständig selbst und sind nicht offen?

Ist es deshalb nicht eher von Nutzen, einen Blick für den Sauerteig aus dem zweiten Gleichnis zu entwickeln, also verborgene Charismen bei uns selbst und den anderen zu unterstellen und wachsen zu lassen?

Auch das sogenannte «Endgericht» kann weder ein Mittel der Kirche noch Gottes sein, um sich zu rächen, wie Nietzsche in seiner Kritik der «Sklavenmoral» mahnte. Die mythischen Erzählungen von den Feueröfen wollen uns zunächst sagen, dass die scheinbare Allmacht der Wirtschaft, die Klimakatastrophe und Kriege kein Fatum, kein unabänderliches Schicksal darstellen. Unsere Sehnsucht nach Frieden, Gerechtigkeit und gesunden Ökosystemen ist nicht sinnlos! Wir dürfen hoffen und sollen dem Möglichen nachspüren.

Das Narrativ vom Heulen und Zähneknirschen soll uns nicht das Fürchten lehren, uns beschuldigen oder demütigen. Es weist uns vielmehr darauf hin, dass es einen Unterschied zwischen Wahrheit und Unwahrheit, zwischen Gut und Böse, zwischen Schuld und Verantwortung sowie zwischen Begehren und Illusion gibt. Unser Denken und unser Verantwortungsgefühl sollen also angeregt werden!

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