Die Etikette des Reiches Gottes oder der QR-Code für die Ewigkeit
Kommentar zum 27. Sonntag im Jahreskreis A - Karsten Steil-Wilke, Pastoralreferent (04.10.2026)
Das Gleichnis des Matthäus-Evangeliums, dass Jesus uns an diesem Sonntag anbietet, ist Vollwertkost. Ein Grundherr verpachtet seine Weinberge an Winzer und ist dann auf Reisen unterwegs. Als dann die Erntezeit kommt, schickt er seine Diener, um die Pacht abzuholen. Wie es diesen ergeht, beschreibt Vers 35 schonungslos: „Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prügelten sie, den andern brachten sie um, wieder einen anderen steinigten sie.“ Die Antwort des Besitzers ist, dass er noch mehr Diener schickt, doch diesen ergeht es genauso, wie den Ersten. Folter, Gemetzel, grausamste Brutalität. Daraufhin schickt er seinen Sohn, in der Hoffnung, dass sie diesen respektieren und ihm die Pacht übergeben.
Die Verse 38 und 39 geben zu erkennen, wie es dem Erbe ergeht: „Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn umbringen, damit wir sein Erbe in Besitz nehmen. Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um.“
Bei Matthäus ist dieser Text schon ein Vorausblick auf das, was Jesus noch bevorsteht, aber auch schon ein Verstehen von Jesus als dem erwarteten Messias. Es ist zudem eine Ermahnung an den Leser, sich nicht in zu großer selbstgezimmerter religiös-spiritueller Heilsgewissheit zu wiegen. Zudem ein Appell, dass der rettende und heilende Anruf Gottes an Jeden einer Antwort bedarf, eine Umkehr Im Herzen, dem Wesenskern einer Person, und ergo eine veränderte Lebensweise und ein veränderter Blick auf Leben und Realität.
Entscheidend scheinen insbesondere die Früchte dieser Umkehr und Hinwendung zu Gott zu sein. Maßstab ist dafür der Messias selbst, Jesus also, sein Auftreten, seine Botschaft und die Fusstapfen in denen er sich bewegt. Das schließt integral den Tanach, den religiösen Textkorpus des Judentums samt Propheten, Torah und Schriften, für Christen größtenteils im Ersten Testament enthalten, mit ein.
Für Jesus war Gewalt und Selbstbereicherung eine dem Reich Gottes entgegenstehende Größe. Jesus steht für Heilung, die Souveränität Gottes, dafür Gott Gott sein und in schöpferischer Liebe wirken zu lassen, Solidarität, Barmherzigkeit, Liebe und Verlässlichkeit seiner Präsenz.
In der Zweiten Lesung ruft Paulus im 8. Vers des 4. Kapitel des Philipperbriefes dazu auf, diese Werte tugendhaft zu leben, wenn er schreibt: „Im Übrigen, Brüder und Schwestern: Was immer wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heißt und lobenswert ist, darauf seid bedacht!“ An diesen Früchten sollen Jesus Nachfolgende zu erkennen sein und nicht an einem Gott, Mensch und Schöpfung schändenden Leben. Diese Tugenden oder Werte sind sozusagen die QR-Codes für das Reich Gottes und öffnen Türe, Tore und vorab schon unsere Sinne, für den Eintritt in die ewige Gegenwart bei Gott.