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„Er handelt mit Herz und Verstand“

Der Herz-Jesu-Priester Theo Klein SCJ über den neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer von Hildesheim.

Welche Erfahrungen haben Sie als Herz-Jesu-Priester in der Zusammenarbeit oder im Ordensleben mit Heiner Wilmer gemacht?

Als Herz-Jesu-Priester haben wir mit ihm durchweg positive Erfahrungen gemacht. Viele Mitbrüder kennen ihn noch aus seiner Studienzeit in Freiburg. Ich selbst hatte das Glück, einige Zeit mit ihm in einer Studentengemeinschaft in Paris zu leben.

Heiner Wilmer ist ein Mensch mit einem sehr offenen Geist für die Herausforderungen unserer Zeit. Gleichzeitig ist er ein Mann des Gebets. Seine Spiritualität ist tief verwurzelt. Er zieht sich regelmäßig für einige Tage in Klöster oder in Zeiten der Stille zurück, um geistlich aufzutanken. Diese Verbindung aus geistlichem Leben und wachem Blick für die Welt ist für ihn entscheidend, um den Herausforderungen aus dem Glauben heraus begegnen zu können.

Was kennzeichnet die Spiritualität der Herz-Jesu-Priester? Wie stark hat der Gründer Pater Léon Dehon diese geprägt?

Im Zentrum unserer Spiritualität steht die Liebe Christi. Das Herz Jesu – das auch den Bischofsstab von Heiner Wilmer ziert – ist ein Symbol dieser Liebe Gottes zu den Menschen. Es steht besonders für die Nähe zu den Verwundeten, zu denen, deren eigenes Herz gebrochen ist.

Heiner Wilmer ist ein Mensch, der besonders sensibel für Menschen am Rand der Gesellschaft ist. Während seiner Ausbildung absolvierte er etwa ein Praktikum in der Bronx in New York und begegnete dort Menschen in großer sozialer Not.

Er stellt sich sowohl der materiellen als auch der geistlichen Armut unserer Zeit. Was er tut, geschieht immer mit Herz und Verstand. Neben seiner Empathie ist er auch ein Intellektueller. Er hat über den französischen Philosophen Maurice Blondel promoviert und versucht stets, Spiritualität und konkretes Leben miteinander zu verbinden.

Welchen Rückhalt kann ihm die Herz-Jesu-Spiritualität in seinem neuen Amt geben?

Das Herz ist ein Symbol, das jeder Mensch versteht. Es spricht eine tiefe menschliche Erfahrung an. Gerade in gesellschaftlichen und kirchlichen Konflikten neigen wir dazu, Positionen immer stärker rational zuzuspitzen.

Heiner Wilmer geht anders vor. Er ist kein Mensch, der mit der Faust auf den Tisch schlägt. Er sucht den Dialog. In der Spiritualität des Herzens gilt: Das Herz schlägt für alle Menschen, niemand darf ausgeschlossen werden.

Ich glaube, dass er ein besonderes Charisma besitzt, unterschiedliche Positionen – auch innerhalb der Kirche – zusammenzuführen.

Die Herz-Jesu-Priester wurden 1872 gegründet, kurz nach Beginn des Pontifikats von Papst Leo XIII. Dieser gilt als „soziale Papst“, der mit seiner Enzyklika Rerum Novarum die katholische Soziallehre geprägt hat. Welche Bedeutung hat das heute noch für den Orden?

Unser Gründer Léon Dehon hat sich intensiv mit den sozialen Herausforderungen des 19. Jahrhunderts auseinandergesetzt. Die soziale Frage der Industrialisierung war damals eine zentrale Herausforderung. Als Antwort darauf entwickelte sich die katholische Soziallehre. Dehon hat eine umfangreiche Konkordanz zur Enzyklika Rerum Novarum erstellt.

Diese Tradition prägt uns bis heute. Es geht immer darum, den Glauben in Beziehung zu den Herausforderungen der jeweiligen Zeit zu setzen – heute etwa zu Fragen von Frieden, sozialer Gerechtigkeit oder neuen technologischen Entwicklungen.

Die ersten Worte, die Heiner Wilmer nach seiner Wahl zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gesagt hat, waren die Worte aus dem Weihnachtsevangelium: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen.“ Das zeigt, worum es letztlich geht: Wir Christen sollen den Frieden, den Gott schenkt, in der Welt bezeugen.

Auch Luxemburg hatte mit Bischof Joseph Philippe einen Herz-Jesu-Priester als Bischof. Wie stark war er von dieser Spiritualität geprägt?

Joseph Philippe war ein Herz-Jesu-Priester durch und durch. Wie Pater Dehon lag ihm besonders die Einheit der Kirche am Herzen.

Er wirkte in einer Zeit großer Spannungen, vor allem während des Zweiten Weltkriegs. Auch damals versuchte er, Brücken zu bauen und die Einheit der Kirche zu bewahren. Er stand seinem Volk und der Kirche in schwierigen Zeiten treu zur Seite.

Heiner Wilmer kommt aus Norddeutschland, wo Katholiken seit der Reformation eine Minderheit sind. Ist das heute ein Vorteil?

Ich glaube ja. Er kennt aus eigener Erfahrung eine Situation, in der Kirche schon immer eine Minderheit war. Das ist etwas, worauf sich viele Regionen Europas erst einstellen müssen.

Ein weiterer Vorteil ist seine Herkunft aus einem stark protestantisch geprägten Umfeld. Dadurch hat er eine große Sensibilität für die Ökumene.

Gerade wenn Kirche gesellschaftlich kleiner wird, muss sie sich umso stärker ihrer Einheit bewusst sein. Ein Leitwort unserer Spiritualität ist das so genannte hohepriesterliche Gebet Jesu aus dem Johannesevangelium: „Damit sie alle eins sind.“

Kirche muss heute offen sein – für andere christliche Konfessionen, für andere Religionen und auch für Menschen, die nicht glauben. Katholisch sein heißt letztlich: vor Ort handeln und zugleich Teil der Weltkirche sein.

Heiner Wilmer war Generalsuperior Ihres Ordens. Wie haben Sie ihn in dieser Zeit erlebt?

Ich kenne ihn besonders aus dieser Zeit. Als Generalsuperior hat er die Provinzen unseres Ordens in vielen Ländern besucht. Dabei hat er vor allem eines getan: zugehört. Er hat jedem Einzelnen Aufmerksamkeit geschenkt und versucht, die Stärken der Menschen zu erkennen und zu fördern.

Besonders aufmerksam war er gegenüber den jungen Kirchen in Afrika, Asien und Lateinamerika. Dort sah er deutlich, dass die Zukunft der Kirche liegt.

Gleichzeitig hatte er immer ein großes Herz für ältere und kranke Mitbrüder. Als vor drei Jahren unser Mitbruder Pater Siebenaler starb, den er von seiner Bischofsweihe kannte,  hat er – obwohl er bereits Bischof war – persönlich angerufen und sogar überlegt, zur Beerdigung zu kommen.

Sie waren 2018 bei seiner Bischofsweihe in Hildesheim dabei. Welche Eindrücke haben Sie damals gewonnen?

Die Atmosphäre war sehr offen und herzlich. Viele Bischöfe waren da, aber auch Vertreter anderer Kirchen, der Politik und der Gesellschaft.

Man spürte, dass sich viele Menschen freuten, mit Heiner Wilmer einen Bischof zu bekommen, der zugänglich ist. Er besitzt auch einen natürlichen Humor, der gut tut. Besonders auffällig war, dass viele junge Menschen da waren. Das hängt sicher damit zusammen, dass er viele Jahre Leiter eines kirchlichen Gymnasiums der Herz-Jesu-Priester war. Durch die Arbeit mit Jugendlichen ist er in gewisser Weise selbst jung geblieben.

Die deutsche Kirche ist stark polarisiert. Kann Heiner Wilmer Brücken bauen?

Ich denke, genau darin liegt seine Stärke. Die vergangenen Jahre waren von gegenseitigem Misstrauen geprägt. Viele Bischöfe haben sich nach jemandem gesehnt, der wieder mehr Zusammenhalt schaffen kann. Heiner Wilmer versucht, unterschiedliche Positionen ernst zu nehmen und miteinander ins Gespräch zu bringen. Wenn jemand diese Aufgabe leisten kann, dann er.

Was braucht die Kirche in Deutschland derzeit am dringendsten – Strukturreformen oder geistliche Erneuerung?

Strukturreformen sind wichtig, aber sie tragen nur dann, wenn es zuvor eine geistliche Erneuerung gibt. Wir müssen zuerst zum Evangelium zurückkehren, aus dem wir unsere Kraft schöpfen. Erst aus dieser geistlichen Grundlage heraus können Reformen wirklich fruchtbar werden.

Mutter Teresa hat einmal auf die Frage, was sich in der Kirche ändern müsse, geantwortet: „Du und ich – wir müssen uns ändern.“ Diese Einsicht bleibt aktuell.

Welche Rolle spielt dabei die Synodalität?

Synodalität bedeutet wörtlich: gemeinsam unterwegs sein. Das Volk Gottes bringt seine unterschiedlichen Gaben und Talente ein – nicht um Macht auszuüben, sondern um zu dienen.

Leider wurde in manchen Debatten des „Synodalen Weges“ in Deutschland zu wenig über Katechese und Evangelisierung gesprochen. Dabei ist genau das der eigentliche Auftrag der Kirche. Wir besitzen einen großen geistlichen Reichtum. Die Aufgabe besteht darin, ihn gemeinsam zu leben und weiterzugeben. Synodalität bedeutet letztlich, gemeinsam aus dem Evangelium heraus unterwegs zu sein.

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