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Ein Tag im Haus der Steyler Missionare in Sankt Augustin

Siebzehn Besucher aus Luxemburg verbrachten einen spannenden Tag bei den Steyler Missionaren in Sankt Augustin bei Bonn.

Siebzehn Besucher aus Luxemburg – darunter Seminaristen sowie Mitarbeitende verschiedener kirchlicher Einrichtungen – verbrachten unter der Leitung von Generalvikar Patrick Müller einen spannenden Tag bei den Steyler Missionaren in Sankt Augustin bei Bonn. Im Mittelpunkt standen Kirche, Kultur und die missionarische Arbeit in China.

Im Rahmen einer diözesanen Weiterbildung erlebte eine Gruppe aus Luxemburg einen intensiven und inspirierenden Studientag im China-Zentrum der Steyler Missionare in Sankt Augustin bei Bonn. Der Tag stand ganz im Zeichen der Begegnung mit der chinesischen Kirche, ihrer Geschichte, ihrer aktuellen Situation und der weltweiten missionarischen Verbundenheit.

Begrüßt wurde die Gruppe bei der Ankunft ganz herzlich von Pater Martin Welling SVD dem Leiter des China-Zentrums, der einen fundierten Einblick in die Geschichte, Ausbildungs- und Missionsarbeit der Gemeinschaft gab. Im Anschluss führte Pater Stanisław Grodź SVD vom Anthropos-Institut die Gruppe durch das Museum „Haus Völker und Kulturen“, mit einer Einführung von Gregor Weimar SVD. Besonders eindrucksvoll war die Sammlung Ars Sacra Pekinensis, die einen künstlerisch-spirituellen Zugang zur chinesischen Christentumsgeschichte eröffnete.

Nach dem Mittagessen in der „Blauen Cafeteria“ folgte eine kurze Kaffeepause im China-Zentrum mit einer Einführung durch Katharina Feith. Am Nachmittag vertiefte sich das Programm im Institut Monumenta Serica mit einem Schwerpunkt auf die aktuelle Lage der Kirche in China. Katharina Wenzel-Teuber referierte über „Die katholische Kirche in China“ und führte in einen lebendigen Austausch. Ein besonders bewegender Moment war das eindrückliche Zeugnis des chinesischen SVD-Priesters Josef Zhu über die Situation der 10 Mio. Katholiken und der Priesterausbildung im heutigen China, wo Christen, wie alle anderen Religionen, zunehmende Einschränkungen religiöser Freiheiten, strengere Kontrollen und die sehr stark eingeschränkte Teilnahme von Kindern am religiösen Leben erdulden müssen. Sogar in den sechs Priesterseminaren muss nach dem staatlichen Programm auch Kommunismus unterrichtet werden. Gleichzeitig wurde auf ein starkes Zeichen weltkirchlicher Verbundenheit hingewiesen: Chinesische Pilger stellten im Heiligen Jahr 2025 in Rom die achtstärkste Pilgergruppe, knapp hinter den Deutschen, wo es allerdings 20 Mio. Katholiken gibt.

Zwischen Mission und Zeugnis: 150 Jahre Steyler Verbundenheit mit China

Ein weiterer Schwerpunkt des Tages war die faszinierende Geschichte der Steyler Missionare in China – ihrem ersten Missionsland kurz nach der Gründung des Ordens durch Arnold Janssen im Jahr 1875. Bereits 1879 begann die Missionstätigkeit in der Provinz Shandong, in einem China, das damals noch Kaiserreich war, jedoch in sogenannte „Einflusssphären“ europäischer Mächte eingeteilt war, für die China zu groß war, um es als Ganzes als Kolonie zu behandeln. Nach der Ermordung zweier Steyler Missionare im Jahr 1897 kam es zur Einrichtung der deutschen Kiautschou-Konzession, was die deutsche Präsenz in der Region verstärkte. Unter dem Schutz deutscher Soldaten konnten die Steyler ihre Missionsarbeit ausbauen und nahe dem konfuzianischen Zentrum in der Provinz Shandong einen Bischofssitz in Yenchowfu errichten, der auch eine der wichtigsten Druckereien des Ordens beherbergte.

Ein historischer Höhepunkt war das Jahr 1926, als sechs chinesische Steyler Missionare zu Bischöfen geweiht wurden – ein Meilenstein für die Entstehung einer einheimischen Hierarchie der Kirche in China, die heute das Überleben der Kirche sichert. Einer von ihnen war der spätere Kardinal Thomas Tien Ken-sin SVD, der erste Kardinal aus Asien überhaupt. Ab 1933 übernahmen die Steyler zudem die Leitung der Universität Fu Jen in Peking und prägten damit auch die akademische Landschaft der Kirche in China entscheidend mit. Mit der politischen Umwälzung von 1949 und der Gründung der kommunistischen Volksrepublik China wurden schließlich alle ausländischen Missionare ausgewiesen – ein tiefer Einschnitt in die Missionsgeschichte, der jedoch die Verbindung zwischen den Steylern und der chinesischen Kirche nicht vollständig abbrechen ließ, was das China Zentrum in Sankt Augustin beweist.

   Am Nachmittag begrüßte der Direktor des „Monumenta Serica“ Instituts, Pater Zbigniew Wesolowski SVD, die Gäste aus Luxemburg. Zwei Mitarbeiter dieses Instituts, Barbara Hoster und Dirk Kuhlmann präsentierten eindrucksvoll die historischen und wissenschaftlichen Perspektiven dieser einzigartigen Chinastudien-Institution, ergänzt durch Einblicke in die umfangreiche Bibliothek. Der Tag war geprägt von intensiven Begegnungen, tiefen historischen Einblicken und bewegenden Zeugnissen über Glauben, Einschränkungen und weltkirchliche Solidarität. Ein Tag, der nicht nur Wissen vermittelte, sondern Horizonte öffnete – zwischen China und Europa, zwischen Geschichte und Gegenwart, zwischen Kirche und Welt.

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