„Mensch sein hier und jetzt“ – lautet das diesjährige Motto der Oktave, das die Predigerin und Theologin Marie-Christine Ries so formuliert hat und in ihren Predigten entfalten wird. Dazu einige Gedanken aus der Perspektive der Organisatoren, sowie konkrete Einladungen im Rahmen des Programms.
Über das Menschsein kann man beim Auschwitz-Überlebenden, Psychiater und Neurologen Viktor Frankl, Folgendes lesen: „Ganz Mensch ist der Mensch eigentlich nur dort, wo er ganz aufgeht in einer Sache, ganz hingegeben ist an eine andere Person. Und ganz er selbst wird, wo er sich selbst übersieht und vergisst.“ Dies ist oft ein langer Lernprozess, eine Pilgerreise nach innen, zurück zu den Fundamenten des Lebens und des Glaubens. Wenn Gott für uns Christen die Liebe ist, dann ist Er auch der eigentliche Grund unseres Pilgerns. Dies gilt nicht weniger für die Gottesmutter, die uns durch ihr Ja-Wort, Jesus, den einzig geliebten Sohn des Vaters, geschenkt hat und in dieser Offenheit für das Leben immer wieder neu auf die Pilgernden wartet.
Menschen pilgern in unseren Gegenden seit über 400 Jahren zu Maria und rufen Sie unter der Vokabel „Trösterin im Leid“ an. Übrigens finden wir in den Ostkirchen auch eine Ikonendarstellung der Trösterin. Ihr Titel ist hochaktuell, da sie hier die „Freude aller Leidenden“ genannt wird.
All das erinnert uns daran, dass das Gnadenbild von Luxemburg schon längst nicht mehr exklusiv ein Anziehungspunkt für Menschen mit luxemburgischen Ursprungswurzeln ist, sondern zusehends zum Gut all jener wird, die ihren Glauben mit uns teilen und Kirche Jesu Christi in Luxemburg mit uns gestalten wollen. Aber weshalb kommen Menschen heute noch in die Oktave? Was treibt sie an? Die Tradition, die Dankbarkeit, die Erinnerungen an die verflossene Kindheit, die Sehnsucht nach menschlicher Nähe und geschwisterlicher Begegnung, Krankheit oder anderes Leid, die Hoffnung auf Frieden, sowie die Sorge um die Weitergabe des Glaubens und die Zukunft einer Kirche, die sich neu erfinden muss? In den kommenden Tagen werden Menschen allen Alters – in der Vielfalt ihres Menschseins mit ihren je spezifischen Anliegen im Gebet bei der Trösterin andocken. Die Kathedrale sollte dabei ein besonderer Ort des Willkommens sein, einem offenen Zelt ähnlich, wo jeder seinen Platz findet. Besonders gern gesehene Gäste sind dabei die Alten und Kranken, Menschen mit spezifischen Bedürfnissen, auch jene die eher am Rand der Kirche stehen, manchmal auch vegetieren, sowie Frauen und Männer, die auf eine gute Zukunft hoffen und Visionen und Zukunftsträume von einer synodalen Kirche in sich tragen. Bei Maria dürfen sie ihre Bitten aussprechen.
Das Pilgern an sich erinnert uns jedoch stets aufs Neue daran, dass wir Menschen auf Erden nur auf der Durchreise sind. Wir sind Reisende, Pilger in Bewegung, die mit anderen eine zutiefst menschliche Erfahrung machen können, eine Erfahrung, die zugleich auch spirituell gedeutet werden kann. Der Pilger – ob allein oder in einer Gruppe – setzt sich immer einer ganzheitlichen Erfahrung aus. Kopf, Herz, Hände und Füße werden da beansprucht. Die mittelalterlich geprägte Tradition des Wallfahrens findet bis heute ihren Ausdruck im gemeinsamen Unterwegssein, im Zugehen auf einen heiligen Ort, an dem sich ein bestimmtes Pilgerobjekt befindet.
Besonders in den letzten Jahren hat das Pilgern um die Oktave neues Interesse geweckt: So machen sich zum Beispiel am ersten Oktavsamstag seit kurzem wieder mehr junge Menschen zur Nachtwallfahrt/Pélé des Jeunes auf den Weg und erzählen anschließend mit Begeisterung von ihren Erfahrungen (Konkrete Infos dazu unter luxyouth.lu).
Auch die Zahl der Fußpilger steigt langsam: Kleingruppen aus Pfarreien, Menschen aus Gemeinschaften und Bewegungen und Einzelpilger nehmen oft einen beschwerlichen Weg auf sich, um zur Oktave zu kommen. Alle strömen dabei zur Gottesmutter in den Mariendom.
So startet auch bereits morgen, am ersten Samstag der Oktave, eine Gruppe zu Fuß unter der Leitung von Diakon Raymond Goedert von Hesperange in die Eröffnungsandacht (Impulsmoment um 10.30 Uhr in der Kirche, Gruppenstart um 11.00 Uhr). Hier kann jeder sich gerne anschließen. Mensch sein, hier und jetzt – das heißt, Suchende zu bleiben und nicht als vermeintlich Findende zu erstarren.
Bedauern kann man jedoch, dass sich in diesem Jahr wohl nicht wenige Pilger an den äußeren Absperrungen vor dem Eingang der Kathedrale zur Seite des Boulevard F.D. Roosevelt stören werden, weil sie den Eindruck bei den Besuchern erwecken: Wegen Umbau geschlossen! Bedingt durch Restaurationsarbeiten an der ehemaligen Nationalbibliothek und im Binnenhof des Domes wird es in diesem Jahr weder das gewohnte Bücherzelt noch ein Pilgercafé geben.
Dies bewog die Organisatoren dazu, nach einer Alternative Ausschau zu halten, um dennoch aus der Not eine Tugend zu machen. Infolgedessen hat das Bücherzelt der EwB mit ihren Partnerorganisatoren auf dem „Mäertchen“ einen neuen Standpunkt gefunden. Das geschätzte Missionszelt wird in kleinerem Format am Eingang der Kathedrale (Rue Notre-Dame) Platz finden und ein Infopoint mit Pilgersouvenirs installiert sich am anderen Eingang (Boulevard F. Roosevelt) der Kathedrale, sowie auch ein Büchertisch mit französischsprachiger religiöser Literatur unter der Verantwortung der Buchhandlung Allegria.
Pilgerorte sind leicht zugängliche Kraftorte. Hier sollten Menschen anonym oder im Verbund mit anderen spirituell und menschlich auftanken können. Dieser Tatsache sollten wir auch in Zukunft mehr Raum geben – zumal die Oktave zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO gehört.
Bleibt mir nur noch am Vorabend der Eröffnung auf verschiedene Highlights aufmerksam zu machen: Ein „Update“ der Messe du Peuple de Dieu am ersten Oktavsonntag mit einem anschließenden Aperitif im Bischofsgarten; zwei Kunstmomente an den ersten zwei Sonntagen um 14.30 Uhr; ein offener Gebetsabend am 1. Oktavsonntag zum Auftakt, wo jeder willkommen ist; eine Zeugniskonferenz am 1. Mai unter dem Thema "Avec Marie, apprendre à faire confiance dans un monde incertain" mit einem ukrainischen Geistlichen der Griechisch-Katholischen Kirche; eine spirituelle Konferenz über das Rosenkranzgebet am letzten Samstag mit frère Philippe Jaillot o.p.; dann die Priesterweihe am Fest der Trösterin der Betrübten und ein Gebet für kirchliche Berufungen am Vorabend, verschiedene Gebetszeiten (von Montag bis Freitag von 13.00 bis 14.00 Uhr in der Glaciskapelle), ein Taizé-Gebet am 30. April, ein Sirenengebet im Anliegen für den Frieden am 3. Mai um die Mittagszeit mit der Anglikanischen Kirche, eine Ausstellung über einen bekannten Oktavpilger, Robert Schuman, Kindersegnungen, Momente zum aktiven Mitsingen und andere zum stillen Verweilen. Denn was wäre die Oktave ohne gute Musik, ohne die feierlichen Orgelklänge und das Mitwirken des Domchores, sowie anderer Chöre und Musikgruppen, die aus allen Teilen des Landes kommen. Wie bereits erwähnt, hat Erzbischof Jean-Claude Hollerich in diesem Jahr erneut eine Frau mit dem Predigtdienst beauftragt. Wir sind gespannt auf die Auslegungen von Marie-Christine Ries und laden schon jetzt ein, von Montag bis Freitag jeweils um 16.00 Uhr – live oder digital – dabei zu sein. Alle Andachten und Pontifikalmessen werden auf apart.TV übertragen. Alles in allem: Die Oktave lebt und auch Sie werden erwartet mit ihrem ganzen Menschsein, hier und jetzt.
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Im Hinblick auf die Muttergottesoktave vom 27. April bis 10. Mai 2026.